we’ll meet again, we’ll part once more

Manuel Niedermeier über das 10. Netzwerktreffen der Bayerischen Akademie des Schreibens

Schreiben ist ein einsames Handwerk. Über Wochen, Monate, manchmal Jahre hinweg sitzt man für sich im stillen Kämmerlein. Einmal im Jahr ändert sich das: Am Literaturhaus München bringt die Bayerische Akademie des Schreibens Schriftsteller*innen zusammen – Lyriker*innen, Sach-, Kinderbuch- und Romanautor*innen, deren erste Bücher irgendwann einmal in den Seminaren begonnen und dann veröffentlicht wurden.

Diesmal treffen wir uns zum zehnten Mal – ein Jubiläum. Es soll gefeiert werden. Das Wochenende beginnt in der Bibliothek, aber es wäre kein NETZWERKTREFFEN DER BAYERISCHEN AKADEMIE DES SCHREIBENS, wenn der Blick nicht über den Tellerrand (des Schreibens) hinausginge. Erst recht beim Thema dieses Treffens: »Rhythm is it!«, haben Katrin Lange und Annegret Liepold es genannt und damit einmal mehr bewiesen, dass sie ein untrügliches Gespür dafür haben, was uns und wie man uns als Gruppe bewegt.

Mit Ulrich Blumenbach sprechen wir über Sound und Rhythmus in der Prosa, etwa bei Foster Wallace oder Kerouac. Und übersetzen selbst Joshua Cohen. Wir bringen mit Anna Konjetzky unsere rhythmischen Lieblingswörter und Körper beim Tanz zusammen. Staunen, wie die Filmeditorin Carolin Biesenbach durch unterschiedliche Schnitte ein und desselben Material Hinkendes zum Tanzen bringt. Und dann am Samstagabend tanzen wir alle mit der Express Brass Band durch die Nacht. Und von dem, was nach dem 25.000-Schritte-Tag – ja, so athletisch geht es bei uns immer zu – und nach den sich schließenden Türen des Literaturhauses noch passiert in den Straßen Münchens, davon erzählt man sich schon am nächsten Morgen Geschichten, als sich 40 unzuverlässige Ich-Erzähler*innen wieder in der Bibliothek treffen.

Ein Reigen. Ein Gefühl.

Schon für unser Jubiläumsheft habe ich versucht, festzuhalten, wie sich diese Fülle für mich anfühlt, und geschrieben:

Mit dem Netzwerktreffen beginnt der Sommer; jedes Jahr aufs Neue. Und während natürlich die Texte im Gedächtnis bleiben und die ein Jahr lang herbeigesehnten Gespräche vor und nach und zwischen den Zeilen, sind es bei mir vor allem die Samstagnachmittage, die in die Abende hineinwachsen, die dieses einzigartige Kribbeln auslösen, wenn ich den Eintrag Netzwerktreffen München im Kalender sehe.

Es ist nicht nur ein Moment, eine Anekdote.

Es ist ein unbestimmtes Konglomerat an Gefühlen, das man sonst nur aus Coming-of-Age Romanen kennt, mehr noch als von seiner eigenen Jugend. Aufbruch und Hoffnung und Verbundenheit und ja, auch Melancholie. Wenn man in der S-Bahn gemeinsam zum See fährt; dann der Sprung vom Turm ins kühle Wasser. Man taucht auf und über den Bergen im Süden stehen Wolken; die Luft vibriert. Es ist schwül. Und in der Nacht – war es dasselbe Wochenende oder ein anderes? – fehlt irgendwann ein Fahrrad, ein Reifen platt, und da fahren dann zwei auf einem Rad (auf Sattel und Gepäckträger) flankiert von den anderen, durch die Dunkelheit und den Park, durch die Kühle, und wieder hinein in die Betonhitze der Stadt. Und dann geht man ins Bett und weiß nicht so genau, wo und wann die Literatur heute denn genau ins Leben übergegangen ist. Und man will es auch gar nicht wissen. Nur beim nächsten Mal wieder so machen.

Manuel Niedermeier

MANUEL NIEDERMEIER, geboren 1984 in Regensburg, studierte Germanistik, Sprachwissenschaften und Komparatistik in Regensburg und Wien. Neben dem Schreiben arbeitet er als Bühnentechniker und Dozent für Kreatives Schreiben. 2011 war er Stipendiat der Universitätsseminare Bayerischen Akademie des Schreibens, 2013 Teilnehmer des Romanseminars. Für seinen Debütroman »Durch frühen Morgennebel« (Verlag C.H.Beck) erhielt er 2014 den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur. Zuletzt erschien »Das ist einer, der lebt!« (2023 // Penguin). Manuel Niedermeier lebt in Berlin.

1 Ein Kommentar zu “we’ll meet again, we’ll part once more”

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