Lektürekreis für Lehrer*innen

»EXPEDITION LESEN«
LEKTÜREN DER GEGENWART
Leitung: Günther Opitz

Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.

Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.

Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte.

KOMMENDER TERMIN:

MI 17.4.24 // 18.30-21.30
LESEKREIS LYRIK: CHRISTIAN LEHNERT, JAN WAGNER & JUDITH ZANDER

»Ich mache Verse aus der Überzeugung heraus, dass noch das Geringste zum Gedicht werden kann (…)«

Jan Wagner // Dankesrede zum Georg-Büchner-Preis

Gedichtbände sind keine Bestseller – und Gegenwartslyrik gilt manchen Leser*innen als schwer zugänglich: Aber warum eigentlich? Vielleicht fehlt nur die Gelegenheit, sich einmal ganz unbefangen darauf einzulassen. Und eben dies soll dieser Expeditionsabend möglich machen – mit Gedichten von Christian Lehnert, Jan Wagner, Judith Zander. Um was geht es, wenn Jan Wagner ein Gedicht über »Reifen« schreibt; wie ist es zu verstehen, dass bei Christian Lehnert eine Sommerlinde atmet und wer zittert bei Judith Zander wie ein maibleicher Stern? Wie benennen, komponieren, verdichten diese Lyriker*innen, was machen sie zu ihrem Gegenstand, welche Rolle spielt insbesondere die Natur? Die drei Autor*innen könnten unterschiedlicher nicht sein. Wunderbar um zu sehen, wie virtuos derzeit Gedichte geschrieben werden – und wie man sie mit viel Freude und Gewinn lesen kann.

Im Mittelpunkt werden ausgewählte Gedichte aus den neuen LYRIKBÄNDEN der Autor*innen stehen. Alle Teilnehmer*innen erhalten vorab eine Zusammenstellung der am Abend besprochenen Gedichte; der Kauf der Lyrikbände ist nicht verpflichtend.

Jan Wagner »Steine & Erden. Gedichte« (Hanser Berlin // Berlin 2023 // 112 Seiten // Euro 22.-)

Christian Lehnert »Opus 8. Im Flechtwerk« (Suhrkamp Verlag // Berlin 2022 // 117 Seiten // Euro 22.-)

Judith Zander »im ländchen sommer im winter zur see. gedichte« (dtv Verlagsgesellschaft // München 2022 // Euro 20.-)

JAN WAGNER, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. Er ist Lyriker, Essayist und Übersetzer englischsprachiger Gedichte. Sein erster Gedichtband, 2001 veröffentlicht, trägt den Titel »Probebohrung im Himmel«. Für »Regentonnenvariationen« wurde er 2015 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2017 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.

CHRISTIAN LEHNERT, geboren 1969 in Dresden, ist Dichter und Theologe. Er leitet das Liturgiewissenschaftliche Institut an der Universität Leipzig. 1997 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, »Der gefesselte Sänger«. Für seine Gedichtbände, Prosabücher und Essays erhielt er u.a. den Hölty-Preis, den Eichendorff-Literaturpreis und den Deutschen Preis für Nature Writing.

JUDITH ZANDER, 1980 in Anklam geboren, lebt in Greifswald. Sie veröffentlichte 2010 den Roman »Dinge, die wir heute sagten«, 2011 folgte ihr erster Gedichtband, »oder tau«. Sie schreibt Prosa, Lyrik und übersetzt Gedichte aus dem Englischen. Für ihre Bücher wurde sie u. a. mit dem Uwe Johnson-Förderpreis, dem Fontane-Literaturpreis und dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet.

 

VERGANGENE TERMINE:

DI 23.1.24
DENIZ UTLU »VATERS MEER« (Suhrkamp Verlag)

DI 17.10.23
EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON

MI 26.4.2023
RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)

DO 26.1.2023
THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)

DO 29.9.2022
SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)

MI 4.5.2022
EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)

»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.

Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.

Günther Opitz cc R. Wirth
Günther Opitz © R. Wirth

Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.

Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«

Günther Opitz über den Lektürekreis