Lektürekreis für Lehrer*innen

»EXPEDITION LESEN«
LEKTÜREN DER GEGENWART
Leitung: Günther Opitz

Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.

Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.

Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte.

KOMMENDER TERMIN:

AUSGEBUCHTDI 17.10.23 // 18.30-21.30
EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON

COVER Rezitativ
Toni Morrison »Rezitativ« (Rowohlt Verlag)

Vor 30 Jahren erhielt Toni Morrison als erste Schwarze den Nobelpreis für Literatur. Anlässlich dieses Jahrestags erscheinen im Rowohlt Verlag eine Reihe Neu- und Erstübersetzungen ihrer Werke. Und wir nehmen die zum Anlass uns sozusagen Wort für Wort mit der Erzählung »Rezitativ« und dieser bedeutenden amerikanischen Autorin auseinanderzusetzen.

Roberta und Twyla sind acht Jahre alt als sie sich im Kinderheim St. Bonnys kennenlernen: Die beiden haben viel gemeinsam, werden kindliche Freundinnen. Ihre Hautfarbe ist jedoch verschieden, was ihnen noch viel stärker bewusst wird als sie sich – viele Jahre später und längst in eigenen Leben unterwegs – zufällig wieder begegnen, im Diner, im Supermarkt, bei einer Demonstration. Das Gespräch fällt ein schwer – und doch bleiben sie, trotz oder gerade wegen aller Unterschiede, eng aufeinander bezogen und ringen darum, herauszufinden, was sie eigentlich trennt.

Tanja Handels hat diese einzige, nun erstmals auf Deutsch veröffentlichte, kurze, hoch eindrucksvolle Erzählung von Toni Morrison übersetzt. Gemeinsam mit ihr wollen wir die Erzählung lesen und uns fragen, wie man diesen großartigen Text, bei dem jedes einzelne Wort zählt, überhaupt angemessen übertragen kann.

Toni Morrison »Rezitativ« (Mit einem Nachwort von Zadie Smith // Aus dem Englischen von Tanja Handels // Rowohlt Verlag // Hamburg 2023 // Euro 20.- Euro // 96 Seiten)

Wer Lust hat, bringt bitte seine eigene Übersetzung einer kleinen Passage mit, die vorab vom Literaturhaus versandt wird.

Und wer noch mehr Lust auf Toni Morrison hat, dem sei die Lektüre von zwei weiteren Büchern empfohlen:

Toni Morrisons Debütroman »Sehr blaue Augen« (Roman // Mit einem Nachwort von Alice Hasters // Neuübersetzt von Tanja Handels // Rowohlt Verlag // Hamburg 2023 // 256 Seiten // Euro 24.-)
Erscheinungstermin: 12.9.2023

Toni Morrisons Essayband »Im Dunklen spielen. Weiße Perspektiven und literarische Imagination« (Mit einem Nachwort von Sharon Dodua Otoo // Übersetzt von Barbara von Bechtholtsheim & Helga Pfetsch // Rowohlt Taschenbuch Verlag // Hamburg 2023 // 144 Seiten // EURO 14.-) .

Auch die englische Ausgabe von »Rezitativ“ ist in Deutschland gut erhältlich – z.B. bei der Buchhandlung Hugendubel: Toni Morrison »Recitativ« (With an introduction by Zadie Smith // Random House UK Ltd. // 2022)

TONI MORRISON wurde 1931 in Lorain, Ohio, geboren. Sie studierte an der Cornell University Anglistik und hatte an der Princeton University eine Professur für afroamerikanische Literatur inne. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen «Sehr blaue Augen», «Solomons Lied», «Menschenkind», «Jazz», «Paradies» und diverse Essaysammlungen. 1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Toni Morrison starb am 5. August 2019.

TANJA HANDELS, in Aachen geboren, lebt und arbeitet in München, übersetzt zeitgenössische britische und amerikanische Literatur, unter anderem von Zadie Smith, Bernardine Evaristo, Anna Quindlen und Charlotte McConaghy, und ist auch als Dozentin für Literarisches Übersetzen tätig. 2019 wurde sie mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.

VERGANGENE TERMINE:

MI 26.4.2023
RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)

DO 26.1.2023
THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)

DO 29.9.2022
SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)

MI 4.5.2022
EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)

»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.

Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.

Günther Opitz cc R. Wirth
Günther Opitz © R. Wirth

Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.

Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«

Günther Opitz über den Lektürekreis