Lektürekreis für Lehrer*innen

»EXPEDITION LESEN«
LEKTÜREN DER GEGENWART
Leitung: Günther Opitz

Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.

Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.

Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte.

KOMMENDER TERMIN:

Unbenannt 1
Serhij Zhadan »Internat« (Suhrkamp / Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)

DO 29.9.2022 // 18.30-21.30 Uhr // Literaturhaus, Forum (3. OG)
SERHIJ ZHADAN »INTERNAT«
Ein junger Lehrer bricht auf, um seinen 13-jährigen Neffen aus einem Internat am anderen Ende der Stadt zu holen. Ein einfacher Weg in Friedenszeiten, eine Odyssee in Zeiten des Krieges. Das normale Leben in der Stadt existiert nicht mehr, Kampftruppen durchziehen die Straßen, Explosionen sind zu hören, an ständig wechselnden Frontlinien wird geschossen. Der schwierige Weg nach Hause führt durch eine fremde Stadtlandschaft, die namenlos im Nebel liegt, gezeichnet von den Verwerfungen des Krieges.
»Internat« ist 2017 erschienen, 2018 in deutscher Übersetzung (Suhrkamp Verlag). Der Roman berichtet demnach vom Krieg in der Ostukraine, der schon vor dem 24. Februar 2022 und der russischen Offensive begann. Durch die Intensität, mit der Zhadan erzählt, lässt der Roman erahnen, welche Zerstörung des zivilen Lebens seit der Besetzung der Krim in der Ostukraine erfolgt ist – und schärft den Blick für das, was sich jetzt dort ereignet.

SERHIJ ZHADAN wurde 1974 im Gebiet Luhansk in der Ostukraine geboren und lebt heute in Charkiw. Er studierte Germanistik und Ukrainistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus. Er verfasst Lyrik, Erzählungen und Romane – und zählt heute zu den wichtigsten Autoren der Ukraine. Serhij Zhadan erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – was mit breiter Zustimmung gefeiert wurde. Für die Übersetzung von »Internat« wurden Juri Durkot und Sabine Stöhr 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2022 erhält Serhij Zhadan den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2022.

Teilnehmer*innen: bis 20 Personen
Kosten: Euro 15.- (bitte das Buch vorher lesen und mitbringen)
Anmeldung: ab 1.8. per Mail mit Name und Schule an: klange@literaturhaus-muenchen.de

VERGANGENE TERMINE:

MI 4.5.2022  EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)

»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.

Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.

Günther Opitz cc R. Wirth
Günther Opitz © R. Wirth

Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.

Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«

Günther Opitz über den Lektürekreis