Lektürekreis für Lehrer*innen

»EXPEDITION LESEN«
LEKTÜREN DER GEGENWART
Leitung: Günther Opitz

Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.

Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.

Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte

KOMMENDE TERMINE:

DI 20.1.26 // 18.30-21.30 Uhr //
Bibliothek (1. OG)
FERNANDO ARAMBURUO »DER JUNGE«
Wie kann man nach einem Unglück weiterleben – und wie davon erzählen?

U1 978 3 498 00738 6
Fernando Aramburu »Der Junge« (Rowohlt Verlag / Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen), Roman, 256 Seiten, 25,- Euro

Nicasio, bald Siebzig, geht seit vielen Jahren jeden Donnerstag zum Friedhof in Ortuella – nicht um das Grab seines Enkels zu pflegen, sondern um seinen Enkel selbst zu besuchen. Er kann es noch immer nicht verwinden, dass der kleine Nuco bei einer Gasexplosion in der örtlichen Grundschule ums Leben gekommen ist, so wie fast alle Schüler. Wie lebt man nach einem Unfall dieser Art weiter, wie als Großvater, wie als Mutter oder Vater des Jungen, wie als Stadtgesellschaft?  Fernando Aramburu verfolgt, ebenso berichtend wie erzählerisch fiktiv, die Lebensläufe von Nucos Familie nach dem Unglück, das sich am 23. Oktober 1980 in der baskischen Stadt ereignete. Was heißt es für das eigene Leben, seinen Sohn und Enkel zu verlieren und wie kann man davon, auch um zu überleben, erzählen?

FERNANDO ARAMBURU wurde 1959 in San Sebastián geboren, studierte spanische Philologie und lebt seit Mitte der Achtziger Jahre in Hannover. Er unterrichtete viele Jahre Spanisch, arbeitet heute als Schriftsteller und Übersetzer. Seine Romane wurden vielfach ausgezeichnet; „Patria“, 2026 auf Deutsch erschienen, wurde sowohl in Spanien wie auch international ein hoch gelobter Bestseller. Fernando Aramburu erzählt vorwiegend über das Baskenland, über die Auswirkungen des Terrors der ETA, über die tiefen Risse in der baskischen Gesellschaft und die schwierige Aussöhnung. „Der Junge“ erschien 2024 in Spanien, im Februar 2025 auf Deutsch.

VERGANGENE TERMINE:

MI 22.10.25
PERCIVAL EVERETT »JAMES«

DI 24.6.25
HELENE BRACHT »DAS LIEBEN DANACH«

MI 7.5.25
EIN ABEND MIT ANNEGRET LIEPOLD UND IHREM DEBÜTROMAN »UNTER GRUND« (Blessing Verlag)

DO 16.1.25
ERZÄHLEN VOM BEGEHREN: »SCHWINDEL« VON HENGAMEH YAGHOOBIFARAH

DI 22.10.24
INGEBORG BACHMANN »MALINA«

DO 20.6.24
POINTEN DES LEBENS – SAŠA STANIŠIĆS NEUE ERZÄHLUNGEN

MI 17.4.24
LESEKREIS LYRIK: CHRISTIAN LEHNERT, JAN WAGNER & JUDITH ZANDER

DI 23.1.24
DENIZ UTLU »VATERS MEER« (Suhrkamp Verlag)

DI 17.10.23
EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON

MI 26.4.2023
RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)

DO 26.1.2023
THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)

DO 29.9.2022
SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)

MI 4.5.2022
EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)

»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.

Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.

Günther Opitz cc R. Wirth
Günther Opitz © R. Wirth

Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.

Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«

Günther Opitz über den Lektürekreis