»EXPEDITION LESEN« LEKTÜREN DER GEGENWART Leitung: Günther Opitz
Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.
Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.
Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte
KOMMENDER TERMIN:
MO 19.10.2026 // Bibliothek (1. OG) FRIEDRICH ANI »SCHLUPFWINKEL. FANTASIEN ÜBER EINE FREMDE HEIMAT«
Friedrich Ani »Schlupfwinkel. Fantasien über eine fremde Heimat« (Suhrkamp Verlag, 128 Seiten, Hardcover, 18 Euro)
Eine Schlesierin, ein Syrer, ein oberbayerisches Dorf in den fünfziger Jahren. Viel Schweigen, viel Sprachlosigkeit, viel Verschwiegenes – und ein Kind. Ein Kind, das den Vater sein Leben lang kaum kennt, weil er zunächst nicht da ist und später nur wenig von sich preisgibt. Großmutter, Mutter und Kind leben in einem ehemaligen Bauernhaus, wo öfters geweint wird, aber nie gelacht. In den Kindergarten darf das so gehorsame Kind nicht, zuhause aber entdeckt es die Stille, den Geruch von Gewürzen, die Wärme der Kacheln am Ofen
Der vor allem über seine Kriminalromane berühmt gewordene Friedrich Ani erzählt von dem Aufwachsen eines Jungen inmitten einer heimatlosen Welt. Er erzählt von Einsamkeit und Fremde ebenso wie von dem Gegengift: der Fantasie. Das Wünschen, das So-gerne-Woanders-sein-Wollen, die ersten Erfindungen von Geschichten und Gedichten beflügeln den Jungen nicht nur, sie jagen ihm auch Angst ein. In »Schlupfwinkel« versucht Friedrich Ani die Geschichte seiner Eltern und seiner Kindheit zu beschreiben, skizzenhaft, in oft kurzen, genau platzierten Sätzen, ebenso aus der Perspektive des Jungen wie des Erwachsenen, mit dem Erstaunen darüber, was alles war – und dem Erschrecken, wie es nur so sein konnte.
FRIEDRICH ANI, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Jugendbücher, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. 2026 wurde er zudem für sein literarisches Gesamtwerk mit dem Münchner Literaturpreis ausgezeichnet. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin. Im September 2026 erscheint »Stationen vergessenen Glücks« bei Suhrkamp.
VERGANGENE TERMINE:
MI 17.6.26 DEUTSCHE GESCHICHTE NEU ERZÄHLEN »DIE TAGESORDNUNG« VON ÉRIC VUILLARD ALS GAST: Historiker Andreas Wirsching
DO 20.6.24 POINTEN DES LEBENS – SAŠA STANIŠIĆS NEUE ERZÄHLUNGEN
MI 17.4.24 LESEKREIS LYRIK: CHRISTIAN LEHNERT, JAN WAGNER & JUDITH ZANDER
DI 23.1.24 DENIZ UTLU »VATERS MEER« (Suhrkamp Verlag)
DI 17.10.23 EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON
MI 26.4.2023 RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)
DO 26.1.2023 THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)
DO 29.9.2022 SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)
MI 4.5.2022 EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)
»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.
Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.
Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.
Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«