»EXPEDITION LESEN« LEKTÜREN DER GEGENWART Leitung: Günther Opitz
Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.
Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.
Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte
KOMMENDE TERMINE:
DO 16.4.26 // 18.30-21.30 Uhr // Forum (3. OG) GYÖRGY DRAGOMÁN »DER WEISSE KÖNIG«
György Dragomán »Der weiße König« (Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer / Taschenbuchausgabe bei Suhrkamp / 2023 / 293 Seiten / Euro 14.- Euro)
Tulpen. Früh schlich der elfjährige Junge aus dem Haus, um in der Nähe eines Brunnens Tulpen für seine Mutter zu schneiden. Der Vater hatte mit Tulpen einst der Mutter seinen Heiratsantrag gemacht. Da der Vater schon seit einem halben Jahr weg ist, sollte die Mutter nun einen besonders großen Strauß bekommen. Zurück in der Wohnung, klingelt es: An der Tür erkennt der Junge die Leute, mit denen der Vater einst mitfahren musste – und versteht jetzt, dass der Sicherheitsdienst zurückgekommen ist und der Familie mit dem Tod des Vaters droht.
György Dragomán wurde in Siebenbürgen als Teil der ungarischen Minderheit geboren. In seinem bislang wichtigsten Roman, der ihn auch international bekannt machte, erzählt er von einem Jungen in Rumänien, der versucht, seiner Mutter den Vater zu ersetzen – entgegen aller zynischen Schikanen, die ein Leben in der Diktatur für ihn bereithält. In langen Sätzen taucht Dragomán tief in die Welt des Jungen und schildert eindrucksvoll die Niedertracht einer verkommenen Gesellschaft, den Kampf des Jungen um seinen Vater und Momente von menschlicher Größe.
GYÖRGY DRAGOMÁN, 1973 in Marosvásárhely (Târgu-Mures)/Siebenbürgen geboren, lebt seit 1988 in Budapest. Er studierte Englisch und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit zu Samuel Becketts Roman »Watt«. Er hat Werke von Joyce, Welsh und Beckett ins Ungarische übertragen und arbeitet als Webdesigner, Filmkritiker. 2002 veröffentlichte er seinen ersten Roman (dt. »Das Buch der Zerstörung«), 2005 folgte »Der weiße König« (dt. 2008). Zuletzt erschienen die Novellen »Löwenchor« (dt. 2019). György Dragomán wurde u. a. mit dem renommierten Márai-Sándor-Preis (2006) und dem Márciusi Ifjak Preis (2008) ausgezeichnet.
DO 20.6.24 POINTEN DES LEBENS – SAŠA STANIŠIĆS NEUE ERZÄHLUNGEN
MI 17.4.24 LESEKREIS LYRIK: CHRISTIAN LEHNERT, JAN WAGNER & JUDITH ZANDER
DI 23.1.24 DENIZ UTLU »VATERS MEER« (Suhrkamp Verlag)
DI 17.10.23 EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON
MI 26.4.2023 RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)
DO 26.1.2023 THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)
DO 29.9.2022 SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)
MI 4.5.2022 EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)
»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.
Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.
Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.
Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«