»EXPEDITION LESEN« LEKTÜREN DER GEGENWART Leitung: Günther Opitz
Aufbruch in die Gegenwart. In die Literatur unserer Zeit. Viel zu oft lässt der Lehrplan zu wenig Zeit für persönliche Leseentdeckungen, viel zu selten bleibt im Austausch mit Kolleg*innen Raum sich jenseits der Unterrichtszwänge als passionierte Leser*in zu begegnen und Bücher rein zu persönlicher Lust und Erkenntnis zu lesen.
Der Lektürekreis für Lehrer*innen soll ein freier Ort für Entdeckungen von Büchern über unsere Gegenwart sein. Welche Geschichten werden von unserem Leben heute erzählt? Wie wird von heute aus Vergangenheit betrachtet, wie in die Zukunft geblickt? Wie wird derzeit beschrieben, wie wir arbeiten, reisen, lieben oder sterben? Es wird um Bücher gehen, die dazu etwas zu sagen haben.
Pro Abend steht ein Buch im Mittelpunkt, das gemeinsam erkundet werden, das jede*r vorher gelesen hat und über das geredet oder auch gestritten werden soll. Einzige Bedingung: mitlesen, mitmachen, mitdenken. Leitung und Auswahl der Bücher übernimmt Günther Opitz, seit mehr als 20 Jahren Lektor, bei S. Fischer, dtv und jetzt am Institut für Zeitgeschichte
KOMMENDE TERMINE:
MI 17.6.26 // 18.30-21.30 Uhr // Bibliothek (1. OG) DEUTSCHE GESCHICHTE NEU ERZÄHLEN »DIE TAGESORDNUNG« VON ÉRIC VUILLARD ALS GAST: Historiker Andreas Wirsching.
Was geschah eigentlich am 20. Februar 1933 im Palais des Reichstagspräsidenten Hermann Göring? 24 Vertreter der wichtigsten deutschen Industrieunternehmen versammelten sich zu einem geheimen Treffen mit Adolf Hitler. Geld sollte gesammelt werden für die NSDAP. Aber es ging um viel mehr.
Was geschah eigentlich am 12. Februar 1938 als der autoritär regierende österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg als Wintersportler verkleidet in Berchtesgaden eintraf? Er war zu einem Treffen mit Adolf Hitler zitiert worden; drei deutsche Generäle halfen bei der Einschüchterung. Schuschnigg wurde gezwungen, seine Regierung umzubauen – mit Vertretern der NSDAP. Aber es ging um noch viel mehr.
Éric Vuillard »Die Tagesordnung« (Matthes & Seitz Verlag / Aus dem Französischen von Nicola Denis) / 118 Seiten / Broschur / Euro 10.-
Éric Vuillard seziert Szenen deutscher Geschichte. Er blickt auf die banalen wie erschreckenden Umstände, mit denen Politik gemacht und Macht inszeniert wird – und erzählt bezwingend eine andere Geschichte als die, wie wir zu kennen glaubten.
Zu Gast wird an diesem Abend Andreas Wirsching sein. Er ist der ehemalige Direktor des Instituts für Zeitgeschichte und einer der besten Kenner der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mit ihm wollen wir diskutieren, welches Geschichtsbild Vuillard entwirft, was uns das schmale, wortmächtige Buch lehrt oder verschweigt, was Literatur und Historiographie verbindet oder unterscheidet.
ÉRIC VUILLARD, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. Für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründete, wurde er u. a. mit dem Prix de l’Inaperçu, dem Franz-Hessel-Preis und 2017, für »Die Tagesordnung«, mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm auf Deutsch »Ein ehrenhafter Abgang« (Matthes & Seitz Berlin // Aus dem Französischen übersetzt von Nicola Denis).
DO 20.6.24 POINTEN DES LEBENS – SAŠA STANIŠIĆS NEUE ERZÄHLUNGEN
MI 17.4.24 LESEKREIS LYRIK: CHRISTIAN LEHNERT, JAN WAGNER & JUDITH ZANDER
DI 23.1.24 DENIZ UTLU »VATERS MEER« (Suhrkamp Verlag)
DI 17.10.23 EIN ABEND ZU TONI MORRSION MIT TANJA HANDELS, DER ÜBERSETZERIN VON TONI MORRISON
MI 26.4.2023 RAPHAELA EDELBAUER »DIE INKOMMENSURABLEN« (Klett-Cotta)
DO 26.1.2023 THERESA PLEITNER »ÜBER DEN FLUSS« (S. Fischer Verlag)
DO 29.9.2022 SERHIJ ZHADAN »INTERNAT« (Suhrkamp // Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr)
MI 4.5.2022 EDGAR SELGE »HAST DU UNS ENDLICH GEFUNDEN« (Rowohlt Verlag)
»…einen Ort für Entdeckungen. Und eine herzliche Einladung, gemeinsam Bücher zu lesen, über diese zu diskutieren und zu streiten, um besser zu verstehen, wie und was heute gedacht und geschrieben wird.
Ich möchte mit Ihnen Bücher erkunden, auf den Prüfstand stellen, möchte Sie und mich fragen, mit welcher Sprache, mit welcher Perspektive erzählt wird, und um was es im Kern eines Buches wirklich geht. Ein Lesekreis schafft einen Raum zum Austausch, der im Alltag meist fehlt, ermöglicht ein Nachdenken über Themen, die weit über das einzelne Buch hinaus relevant sind – für das private Leben, für den Unterricht.
Wichtig ist, dass Sie als passionierte Leser*innen Ihre Erfahrungen aktiv einbringen, Freude an der Diskussion haben, Ihre Begeisterung für ein Buch oder auch Ihre Kritik offen formulieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam eine genaue, vertiefte Lektüre zu gewinnen, immer den Text selbst vor Augen, als Geschichte, die uns angeht, und als Kunstwerk.
Ich habe in Regensburg Germanistik und Geschichte studiert, arbeite seit mehr als 20 Jahren als Lektor, viele Jahre bei S. Fischer und dtv, heute im Institut für Zeitgeschichte in München – und bin immer und immer wieder davon fasziniert, wie Geschichte verfasst wird und Geschichten geschrieben werden können.«