Das Short-Story-Seminar der BAS

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Patrick Sielemann © Catherina Hess

»Die Kurzgeschichte ist der Ingwer-Shot der Literatur: klein und wirkungsvoll, ein Wachmacher und Gedanken-Booster, und überaus gesund.«

Patrick Sielemann, Lektor & Herausgeber »Das Gramm«

Im November stand in der Bayerischen Akademie des Schreibens alles unter dem Eindruck der Kürze – während sechs voller Tage diskutieren die Teilnehmer*innen unseres Kurzgeschichten-Seminars über die kurze Form: Was sie in ihrer Kompaktheit kann, vor welche Herausforderungen sie Schreibende stellt, welche Rolle sie in Verlagen und im Buchhandel spielt.

»DER WEIRDNESS RAUM GEBEN«

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Anna Weidenholzer © Catherina Hess

Was konkret in einem Schreibseminar passiert, hängt immer auch von den Teilnehmer*innen selbst ab – im besten Fall entsteht ein sicherer Raum, in dem Lesen, Gelesen werden und Feedback zu den eingereichten Texten sich auf Augenhöhe treffen. Und Gleichgesinnte untereinander Einblick in ihre Schreibarbeit geben:

Anna Weidenholzer © Catherina Hess
Silvester Ertl © Catherina Hess

»Ich esse nichts, bevor ich den ersten Teil geschrieben habe.«

Ann Esswein

»Ich kommentiere meine Texte beim Schreiben. Manchmal kommentiere ich auch die Kommentare.«

Christian Engel

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Patrick Sielemann & Anna Weidenholzer © Catherina Hess

Zur Seite standen den Schreibenden mit Patrick Sielemann ein Lektor, der mit dem Magazin »Das Gramm« der Kurzgeschichte ihre Kürze zurückgegeben hat: Je Ausgabe veröffentlicht er genau eine Erzählung. Und mit Anna Weidenholzer eine Autorin, die vor 15 Jahren mit einem Erzählband debütierte und ganz aktuell wieder mit Kurzgeschichten in Erscheinung getreten ist (»Hier treibt mein Kartoffelherz«, Matthes & Seitz).

Außerdem kamen die Teilnehmer*innen mit weiteren Großmeister*innen des Erzählens ins Gespräch: Katja Lange-Müller, Ulrike Draesner und Christoph Peters waren u.a. Gäste des Seminars.

WO BEGINNT DER DIALOG?

Um auf andere Gedanken zu kommen, in andere Künste zu blicken und auch um den Seminarraum anders zu erleben, waren die Schauspielerin Sofie Gross und die Schauspielstudierenden Maia Frosch & Ivo Borger für einen Nachmittag Teil des Seminars. Wie klingt ein Dialog, wenn er auf der Bühne gesprochen wird? Die gemeinsamen Arbeit machte die Unterschiede zwischen Inszenieren, Spielen und Schreiben erfahrbar.

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Achim Reese © Catherina Hess

»Ich schreibe, um meinen gelesenen Büchern zu antworten.«

Achim Reese

Falls Sie selbst gerade einen schnellen Gedanken-Booster nötig haben – jede*r unserer Teilnehmer*innen hat für das Seminar eine Kurzgeschichte ausgewählt, die sie geprägt und inspiriert hat. Diese wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Genauso wenig, wie die Frage, wer alles den Weg ins Seminar gefunden hat.

DIE TEILNEHMER*INNEN DES »STORIES«-SEMINARS & IHRE LESETIPPS

ShortStories Gruppenbild lustig c Catherina Hess
Gruppenbild an Treppengeländer © Catherina Hess

Zehn Kurzgeschichten, die junge und angehende Autor*innen geprägt haben – darunter Klassiker & Geheimtipps.

JULIA REGNATH lebt in Dortmund, wo sie im Designbereich arbeitet. Für ihre Kurzgeschichte »Erosion« wurde sie 2024 mit dem LesArt.Preis für junge Literatur ausgezeichnet. Außerdem ist sie Teil einer Schreibgruppe am Literaturhaus Dortmund.
LESEEMPFEHLUNG: »Ende von Etwas« von Judith Hermann (in: »Sommerhaus, später«, 1996).

ANN ESSWEIN schreibt gerade an ihrem dritten Roman. Ihr Debüt »Mimikry« erschien 2022 bei Nagel und Kimche, ihr zweiter Roman »Jahre ohne Sprache« erscheint in Kürze bei Ecco. Dabei mag sie die klar abgesteckte Kurzgeschichte noch lieber als den Roman – vielleicht auch deshalb war sie schon Finalistin beim Open Mike (2021) und auf der Shortlist des Deutschen-Kurgeschichten-Wettbewerbs (2022) vertreten.
LESEEMPFEHLUNG: »Liebesperlen« von Mariana Leky (2001).

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Carmen Kovacs & Achim Reese © Catherina Hess

CARMEN KOVACS hat Musik- und Theaterwissenschaften in Bayreuth und München studiert sowie freie Kunst an der Akademie der bildenden Künste in München. Nach einem Dramaturgie-Volontariat an der Bayerischen Staatsoper ist sie seit 2023 freie Tanz- und Ballettdramaturgin sowie Librettistin. Mit dem Kurzgeschichten-Seminar wagt sie sich als Schreibende ins Gebiet der Literatur vor.
LESEEMPFEHLUNG: »Birthmark« von Miranda July (2003).

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© Catherina Hess

FABIENNE IMLINGER arbeitet gerade an ihrem ersten Roman, der 2021 mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet wurde und mit dem sie Teil unseres Romanseminars 2020/21 war. Sie ist Teil des glitch Kollektivs und betreibt seit 2020 mit Martina Kübler den Buchpodcast »Ich lese was, was du auch liest!«. Außerdem war sie Teilnehmerin der Kurzspielhörklasse »über den hörer kommen wollen« an der Schule für Dichtung in Wien.
LESEEMPFEHLUNG: Eine Story von Shirley Jackson, allerdings nicht »The Lottery«, die als wirkungsmächtigste Kurzgeschichte überhaupt gilt, sondern »The Witch« (1949).

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Armin Wühle © Catherina Hess

ARMIN WÜHLE studierte Kreatives Schreiben in Hildesheim, sein Debütroman »Getriebene« erschien 2021 im S. Matrix Verlag, gerade arbeitet er an seinem zweiten Roman, der im Frühjahr 2026 erscheinen soll. Er war Finalist beim Open Mike und Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin.
LESEEMPFEHLUNG: »Popp und Mingel« von Marie Luise Kaschnitz (1960).

JUDITH MARTIN hat Kreatives Schreiben in Hildesheim studiert und arbeitet seither mit Literatur, gerade bei Ullstein nach einem Volontariat im Berlin Verlag. Mit dem Kurzgeschichten-Seminar will sie zurück ins eigene Schreiben finden.
LESEEMPFEHLUNG: »Die Meldung des Tages« von Anna Gavalda (aus: »Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet«, 2003)

SILVESTER ERTL hat Rechtswissenschaften an der LMU München studiert und macht gerade sein Rechtsreferendariat am Amtsgericht München. Er hat 2021 am Uniseminar »Imaginäre Freunde« der Bayerischen Akademie des Schreibens teilgenommen.
LESEEMPFEHLUNG: »Die Nase« von Nikolai Gogol (1836)

ACHIM REESE hat Architektur in Aachen studiert und unterrichtet heute, nach seiner Promotion an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Architekturgeschichte an der TU München. Aus seiner Dissertation ging das Buch »Orte für das Selbst: Die Architektur von Charles W. Moore« (2024) hervor.
LESEEMPFEHLUNG: »Diesseits des Van-Allen-Gürtels« von Wolfgang Herrndorf (2007)

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Julia Regnath & Merle Müller-Knapp © Catherina Hess

MERLE MÜLLER-KNAPP hat Humanmedizin an der Charité in Berlin studiert und arbeitet seit 2019 als Ärztin. Sie war Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung 2018 und Teilnehmerin des Literaturkurses in Klagenfurt (2019). Sie arbeitet an einem Erzählband und mag den Satz »Du müsstest eigentlich einen Roman schreiben« nicht mehr hören.
LESEEMPFEHLUNG: »The Resevoir« von Janet Frame (1963)

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© Catherina Hess

CHRISTIAN ENGEL arbeitet als Journalist und gerade an seinem ersten Roman, mit dem er schon Teilnehmer unseres Romanseminars 2020/21 war. Nebenbei findet er immer wieder Zeit für die kurze Form und mag es, dass im Werkstattkontext die Kurzgeschichte als Ganzes in den Blick genommen werden kann.
LESEEMPFEHLUNG: »Der Tod ist nicht das Ende« von David Foster Wallace (aus: »Kurze Interviews mit fiesen Männern«, 2004)

 

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