Wir sind Wir

Die Bayerische Akademie des Schreibens trifft sich (4.-6.6.21)

»Am Ende schlägt man dann doch immer als Person auf«

Und das ist manchmal gut, sogar sehr gut. Und in unserem Fall fast schon ein kleines Wunder, als wir beim diesjährigen Netzwerktreffen der Bayerischen Akademie des Schreibens vom 4. bis 6. Juni uns allesamt vor Ort, noch dazu in Präsenz, im Münchner Literaturhaus einfinden konnten.

© Simone Scharbert

WIR: Das sind all jene, die in den letzten Jahren ein Seminar der Bayerischen Akademie des Schreibens besucht und ein Buch veröffentlicht haben. Egal, ob Gedichte, Krimi, Roman oder Sachbuch; egal, ob für Jugendliche oder Erwachsene.
WIR: Das sind auch unterschiedliche Stimmen aus dem Literaturbetrieb, mal lauter, mal leiser. Stimmen, die in großen Traditionshäusern oder kleineren, unabhängigen Verlagen beheimatet sind. Wir: Das sind etwa 25 Autor*innen, in der Regel zwei Workshop-Leiter*innen und Katrin Lange, die sich für ein Wochenende zu einem bestimmten Thema zusammenfinden, gemeinsam Texte besprechen, manchmal Gäste in ihrer Runde begrüßen dürfen, über Gesellschaftspolitisches, Fragen eines »kollektiven Wir«, Schreiben in Zeiten von Corona oder – wie in diesem Jahr – u.a. die Unmöglichkeiten und Möglichkeiten der Beschreibung einer »Grauammer« diskutieren.
WIR, das sind auch Werkstattmomente, in denen auf zutiefst Persönliches behutsam reagiert wird oder Lesungen mit Überraschungsmomenten stattfinden; dieses Wir kann auch eine Gruppe von Menschen sein, die sich unter Anleitung einer Wildnis-Pädagogin 30 Minuten still in den Wald setzt, später die Füße in der Isar kühlt und nachts regenbeschirmt durch die Stadt tanzt.
WIR, das ist also ein wunderbares temporäres Phänomen der Gemeinsamkeit, das uns Dank der großartigen und sorgsamen Organisation von Katrin Lange verbindet, sich immer wieder ein wenig anders zeigt oder zusammengesetzt ist, lustig und bisweilen auch nachdenklich sein kann und aber beständig an der Wirkkraft von Literatur festhält.

Simone Scharbert
Simone Scharbert

SIMONE SCHARBERT hat 2015 an einem Seminar für Lyriker teilgenommen, das von Nico Bleutge & Karin Fellner geleitet wurde. Ihr erster Lyrikband »Erzähl mir vom Atmen« erschien 2017 bei Ranis. Im Herbst 2019 erschien »du, alice« im Azur Verlag, eine Selbstanrufung von Alice James, der Schwester des Autors Henry James und des Philosophen William James, der ein Leben lang Schreiben und Bildung verwehrt waren — und die doch mit andern Frauen eigene, subversive Wege fand und zu einer Ikone des frühen Feminismus wurde.  Ein im Wortsinne atemberaubendes Buch.

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