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Gedächtnis der Welt

Volker Braun

Volker Braun gehörte seit seinen literarischen Anfängen – „Provokation für mich“ (1965) – zu den entschiedenen Kritikern der stalinistisch versteinerten Verhältnisse in der DDR. Diesem Kastenstaat mit seinen Gesinnungskontrolleuren und Bürokraten warf er den Verrat an der idealen sozialistischen Lehre und die Mißachtung des sinnlichen Genusses vor. Braun fragte beharrlich nach dem „Training des aufrechten Gangs“ (1979) und erntete dafür Mißtrauen und Sanktionen. Im Vorfeld der Wende, die er begrüßte, plädierte er für eine basisdemokratische Rätestruktur als Folgemodell. Gemischte, auch wehmütige Gefühle sprechen aus seinen letzten Texten („Der Wendehals“, 1995) angesichts der Einheit und ihrer Folgen.