Donnerstag, 8.2.2018, 20.00 Uhr, Saal (Foyer-Bar ab 19 Uhr) Ausverkauft

Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648

Ein Abend mit Herfried Münkler

Moderation: Arndt Brendecke (LMU)

Der Dreißigjährige Krieg ist Metapher für die Schrecken des Krieges schlechthin. Deutschland brauchte Jahrzehnte, um sich von den Verwüstungen des längsten und blutigsten Religionskriegs der Geschichte zu erholen. Der renommierte Historiker und Autor Herfried Münkler erzählt fesselnd und eindringlich vom Schwedenkönig Gustav Adolf und dem Feldherrn Wallenstein, von Kardinälen, Kurfürsten und der europäischen Staatenordnung – auf deren Trümmern eine neue Epoche entstand. Münklers Buch vereint Geschichtsschreibung und scharfsichtige, politische Analyse (Rowohlt Berlin). 

Veranstalter: Rowohlt Berlin // Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 12.- / 8.-

»Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg war das gro- ße Trauma der Deutschen, bis dieses Trauma durch die kollektive Erinnerung an die Gewalt und Zerstörung abgelöst wurde, die mit den beiden Weltkriegen einhergingen. Die Verwüstung der Städte, die Verheerung des Landes und das massenhafte Sterben der Menschen in den Jahren von 1618 bis 1648 standen beispielhaft für die Schrecken des Krieges, doch diente der Dreißigjährige Krieg darüber hinaus als Erklärung dafür, warum die deutsche Geschichte, so die Annahme, seit dem 17. Jahrhundert ganz anders verlaufen sei als die der meisten europäischen Nationen: Während diese politisch handlungsfähige Staaten gebildet und ihre jeweiligen Interessen in gegenseitiger Konkurrenz zur Geltung gebracht hätten, sei Deutschland zum Tummelplatz für die Heere ebenjener Mächte geworden und habe erst mit großer Verspätung einen eigenen Nationalstaat bilden können. Dass die Deutschen unter den Europäern zur «verspäteten Nation» wurden, wie die von dem Soziologen Helmuth Plessner geprägte Formel lautet, hat dieser Erinnerung zufolge ihre Ursache im Dreißigjährigen Krieg, der seinerseits wiederum auf die konfessionelle Spaltung des Landes zurückzuführen sei.« (Herfried Münkler)