Donnerstag, 28.7.2016, 18.30 Uhr, Salvatorplatz (hinter dem Haus)

SommerLese: ›Arbeit und Struktur‹

Thomas Lettow liest Wolfgang Herrndorf

»Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen. Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen. Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter. Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur.«
Blog: Arbeit und Struktur

Thomas Lettow (Jahrgang 1986) gehört seit der Spielzeit 2014/2015 zum Ensemble des Residenztheaters.

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus. Sollte es regnen, stellen wir die Liegestühle übrigens einfach ins Haus an ein trockenes Plätzchen – beachten Sie in diesem Fall die Aushänge im Eingangsbereich und im Aufzug.
Eintritt frei

»Der allertollste Text aber, ein unfassbar genauer, anrührender, humorvoller, wahrhaftiger Text sind die Tagebucheinträge, die Wolfgang Herrndorf nach Ausbruch der Krankheit ins Internet gestellt hat. Dieses akribische Protokoll des Lebens mit der Krankheit war eben kein Text über das Sterben, sondern einer über das Leben.« (die tageszeitung)
»Bei aller Hochschätzung für Herrndorfs Romane – sein Blog Arbeit und Struktur steht ihnen an literarischem Rang nicht nach. Es gibt in der Geschichte der Tagebücher nichts, was ihm gleichkäme an Takt, Wärme, dunklem Witz, Sarkasmus und stillem Grauen.« (Michael Maar)

Eine Veranstaltung der Reihe SommerLese

Begleitprogramm zur Ausstellung Zitate