Mi 21.11.18 // 20 Uhr // Lyrik Kabinett (Amalienstraße 83)
Literaturfest München 2018: forum:autoren

Zweite europäische Lyriknacht

Tadeusz Dąbrowski, Georgi Gospodinov, Luljeta Lleshanaku, Kinga Tóth, Agnė Žagrakalytė & Jan Böttcher

Moderation: Jan Wagner, Tristan Marquardt

Poesie aus Polen, Albanien, Bulgarien und Litauen, Performances aus Ungarn, deutsche Chansons aus Berlin: Die junge lyrische Vielfalt Europas in ihrer schönsten Form, zusammengestellt und moderiert von Jan Wagner mit Tristan Marquardt.

Gegenwartslyrik sei wie eine Fledermaus, die in Dachkammern wohne, am Tag schlafe und in der Nacht jage, sagt Tadeusz Dąbrowski. Ob der polnische Dichter nachts schreibt, wissen wir nicht – wohl aber, dass er als poetischer Schleusenwärter Wiesen in der Weichselniederung unter Wasser setzt.

Da ihre Familie der Opposition in Albanien angehörte, wuchs Luljeta Lleshanaku zur Zeit der kommunistischen Diktatur unter Hausarrest auf. Später studierte sie albanische Sprache und Literatur sowie Creative Writing – und lässt heute den Geruch von Milch aus Worten steigen.

Seit seinem international erfolgreichen Debüt »Natürlicher Roman« von 1999 zählt Georgi Gospodinov zu den meistübersetzten Literaten Bulgariens. Vielseitig interessiert, erkundet er das morgendliche Verbrechen an einer Schnecke mit ebenso viel Witz wie eine Technik zum Entgräten von Texten.

Beim »Versschmuggeln« suchte Agnė Žagrakalytė in der fremden Sprache ihrer deutschen Kollegin Sabine Scho nach der hiesigen Kultur. In ihren eigenen Versen findet die Litauerin die Schönheit in überfüllten Trolleybussen oder führt einen Dialog mit einem brennenden Hagebuttenstrauch.

Kinga Tóth ist in vielen Künsten zu Hause: Die ungarische Sprachwissenschaftlerin unterrichtet deutsche Literatur, schreibt für Magazine, ist Frontfrau des Musikprojekts Tóth Kína Hegyfalu und inszeniert als (Klang-)Poet-Illustratorin visuell-akustische Performances. Aktuell weilt sie als Stipendiatin in der Villa Waldberta.

»Am anderen Ende des Flures« wartet hingegen der Singer/Songwriter und Schriftsteller Jan Böttcher: Mit seiner Gitarre und feinen Chansons über »Die frühen Verluste« und »Stillgelegte Gleise« krönt der in Berlin lebende Lüneburger die zweite europäische Lyriknacht.

Georgi Gospodinov um 18 Uhr auf dem Bayern 2-Diwan