Di 15.7.08 // 0 Uhr // Saal
Der unsichtbare Autor

Walter Kempowski: »Somnia«

Lesung mit Benjamin von Stuckrad-Barre und Hellmuth Karasek

»Somnia«, Walter Kempowskis Tagebuch aus dem Jahr 1991, ist das letzte Werk, das der 1929 in Rostock geborene Autor fertig stellen konnte. Mit großer Genauigkeit schildert er Tagesereignisse, kleine und große Tragödien, Träume und
Sehnsüchte. Unzensiert und direkt lässt Kempowski alle Ausgewogenheit und politische Korrektheit fahren. Vor seinem Fernseher verfolgt er den ersten Irak-Krieg, den Putsch gegen Gorbatschow, das Ende der Sowjetunion, den Beginn
des Jugoslawien-Krieges. Ironie und Zynismus durchziehen oft die Kommentare zur politischen Berichterstattung in den Medien. Wenn Kempowski seinen Alltag, seine Gedanken über Kollegen und Nachbarn und über seine gut gelaunte Ehefrau beschreibt, dann werden die Einträge bisweilen urkomisch. Am 24. Juli 1991 schreibt er »Halten Sie mich für launisch? Ich mache doch auch Witze öfter mal!«
Benjamin von Stuckrad-Barre und Hellmuth Karasek, beide große Verehrer von Kempowskis Werk, lesen abwechselnd aus den Tagebucheinträgen.