Begrüßung: Stefanie Hölscher (Lektorin, Verlag C.H.Beck)
Lesung: Katja Amberger
»Fry verlässt das Café, die Lage scheint sich zu beruhigen, und geht die wenigen Schritte zum Hotel Stern. Zurück in seinem Zimmer versucht er, einen klaren Gedanken zu fassen. Er stellt sich ans Fenster, schaut hinab auf die Straße. Nach einigen Minuten kehrt der Demonstrationszug auf der anderen Straßenseite zurück, gefolgt von einem einzelnen, langsam rollenden Polizeiwagen, noch immer schreien die Männer Parolen, Fry versteht sie nicht. Als der Demonstrationszug schließlich verschwunden ist, setzt sich Fry an den Tisch seines Zimmers, nimmt sein Notizbuch, zwingt sich zur Ruhe und beginnt aufzuschreiben, was er gesehen hat.«
Uwe Wittstock »Marseille 1940«
Frankreich im Juni 1940: Mit dem Einmarsch der Wehrmacht setzt eine Massenflucht gen Süden ein, die Hafenstadt Marseille ist das Ziel tausender Flüchtlinge. Unter ihnen: Heinrich Mann und Franz Werfel, Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und andere europäische Intellektuelle. Auch der US-amerikanische Journalist Varian Frey trifft in Marseille ein, geschickt vom Emergency Rescue Committee, um möglichst vielen von ihnen die Flucht nach Übersee zu ermöglichen. Der Autor und Literaturkritiker Uwe Wittstock erzählt in seinem neuen Buch (Verlag C.H.Beck) die Geschichte einer kollektiven Flucht. Es ist ein aufwühlendes Kapitel Zeitgeschichte, das er zusammen mit seinem Kollegen und Freund Axel Hacke vorstellt – einem »der wenigen echten Volksschriftsteller, die unsere Literatur zurzeit hat« (Uwe Wittstock im Blog »Die Büchersäufer«).

