Golo Mann

Die Geschichte

Golo Mann (1909–1994) lebte in unruhigen Zeiten, erst spät kehrte er aus dem Exil nach Deutschland zurück. Seine »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« (1958) wurde ein großer Erfolg, gerühmt wegen ihres brillanten Stils und dem Bemühen, die Vergangenheit kritisch, aber gerecht darzustellen. Manns Biografie Wallensteins (1971) wurde ein Bestseller und ein »Triumph erzählender Historie«. Doch die Frage, wie narrativ Geschichtsschreibung sein darf und soll, blieb umstritten.
Golo Mann hatte es als Sohn Thomas Manns nicht leicht mit der berühmten Familie. Er suchte Distanz und löste sich doch nie. Nach einer Kindheit in München und Salem folgte das Studium bei Jaspers in Heidelberg. Aus dem jungen Sozialisten wurde im Exil ein konservativer Gegner Hitlers. Lange um Wirkungsmöglichkeiten ringend, kam der überwältigende Erfolg für Golo Mann spät, mit bald fünfzig Jahren. Zugleich gewann seine Stimme in der Bundesrepublik Gewicht: Golo Mann wurde zum vielgefragten Redner und einflussreichen Kommentator.
Mit privaten und öffentlichen Zeugnissen, seltenen Bild-, Text-, Ton- und Filmdokumenten zeichnet die Ausstellung einen bewegten Lebenslauf nach. Sie zeigt, dass auch für Golo Mann gilt, was er über Wallenstein schrieb:

»Ein Nest aus Widersprüchen wird jede lebende Seele, sobald man sie beschreibt«.