Cher ami…

Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz

Marcel Proust ist zweifellos eine der größten literarischen Persönlichkeiten des 20ten Jahrhunderts, seine »Suche nach der verlorenen Zeit« ist ein Romanmonument. Doch darüber hinaus war Proust ein manischer, ein atemloser Briefeschreiber. Seine umfangreiche Korrespondenz, von der er selbst sagte, sie möge nach seinem Tod vernichtet werden, lässt das vielfarbige Bild eines Schriftstellers entstehen, der sich Zeit seines Lebens mit Vorurteilen und schweren Krankheiten herumplagte und erst spät zu literarischen Ehren gelangte. Daher ist immer wieder auch die Arbeit an der »Recherche« Thema seiner Briefe. Doch es sind insbesondere die persönlichen Beziehungen und die ausschweifenden und feingesponnenen Freundschaftsbekundungen, die den Charme und die Größe von Prousts Korrespondenz ausmachen.

Die »Bibliotheca Proustiana Reiner Speck« beherbergt über 80 dieser Briefe, viele von ihnen unpubliziert und unübersetzt. Zum ersten Mal werden sie nun in einer großen Ausstellung gezeigt. Daneben sind zahlreiche weitere Proust-Autographen, seltene Fotografien, Portraitzeichnungen und -skizzen, Manuskripte und signierte Bücher, sowie zahlreiche Dokumente, Handschriften und Bücher der Briefadressaten – aus dem Kreis der Familie, der Freunde, der Kollegen und der Kritiker – in der Ausstellung vereint. Eine weitere Besonderheit: fast alle Exponate sind im Original zu sehen. Ein Großteil der Briefe ist zusätzlich in deutscher Übersetzung über einen Audioguide zu hören.

Die Ausstellung ermöglicht dem Besucher, Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz und sein Werk im Kontext seiner Zeit kennenzulernen. Die Briefe sind in verschiedene Themenbereiche eingebettet (»Eltern, Kindheit, Schulzeit«, »Mondänes Leben«, »Freundschaften«, »Jahre des Lesens«, »Auf dem Weg zum Roman», »Jahre des Schreibens«, »Literarisches Leben«) und werden durch filmische Dokumente und Kommentare von Zeitzeugen ergänzt.

So zeigt die Ausstellung den großen Romancier Marcel Proust in einer Weise, die in ihrer Unmittelbarkeit, Authentizität und Vielfalt bestechend ist und sein ganzes Leben und Wirken umspannt.

PRESSESTIMMEN:

»La Présence réelle«, die reale Gegenwart, das wirkliche Leben: kaum jemals ist sie bei Proust so zu spüren wie in dieser Fulminant dezenten und dabei gerade in ihrer Diskretion überwältigenden Ausstellung.

Alexander Kluy, DIE WELT