Alexander Kluge

Pluriversum*

* DIE POETISCHE KRAFT DER THEORIE

»Das Poetische heißt für mich Sammeln. Dafür ist es wichtig, dass ich mich an etwas Fremdem abarbeite.«

Alexander Kluge

Alexander Kluge, poetischer Chronist, Filmemacher und Autor, ist einer der bedeutendsten in München ansässigen Künstler. Nun richtet er im Literaturhaus seine Denkwerkstatt ein: »Pluriversum. Die poetische Kraft der Theorie« gewährt erstmals Einblick in Kluges künstlerisches Schaffen.

Nach Stationen in Essen (Folkwang Museum) und Wien (Belvedere 21) variiert und ergänzt Alexander Kluge die Schau mit Bezug auf 30 Jahre Wiedervereinigung. Für Kluge sind Austausch und Zusammenarbeit mit Künstlerkolleg*innen essenziell: So sind im Literaturhaus Werke von Kerstin Brätsch, Thomas Demand, Markus Heinsdorff, Anselm Kiefer, Paul Klee, Stefan Moses und Thomas Thiede zu sehen.
Kluges Arbeiten suchen die Verbindung zum Publikum; sie sprechen Verstand und Gefühl gleichermaßen an und setzen auf den Reiz der Assoziation. Biografische Besonderheiten treffen auf universelle Themen wie Arbeit, Evolution, Liebe, Krieg und andere Katastrophen. Neben seinen sogenannten Minutenfilmen werden eigens für die Ausstellung entstandene filmische Arbeiten zusammen mit Texten, Skulpturen, Klangstationen und Bildwerken in einer multimedialen Rauminstallation präsentiert.

»Wir brauchen erneut jene Wunderkammern, die das enthalten, was wir Poeten als Ahnungsvermögen bezeichnen. Also Kunst, Wissenschaft und nach vorwärts gerichtete Erzählungen.«

Alexander Kluge

ALEXANDER KLUGE
Geboren 1932 in Halberstadt, wurde der promovierte Jurist im Jahr 1956 Berater des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, wo er auf Theodor W. Adorno traf. Parallel zu seiner Arbeit als Anwalt absolvierte Kluge ein Volontariat bei Filmregisseur Fritz Lang und wurde bereits Anfang der Sechzigerjahre sowohl als Schriftsteller wie auch als Filmemacher bekannt. 1963 gründete er die heute noch in München ansässige »Kairos Film«.
Sein Spielfilmdebüt »Abschied von Gestern«, mit seiner Schwester Alexandra Kluge in der Hauptrolle, wurde 1966 als erster deutscher Beitrag nach 1945 mit dem Silbernen Löwen auf dem internationalen Filmfest in Venedig ausgezeichnet. Für »Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos« erhielt er zwei Jahre später den Goldenen Löwen. 1987 gründete Alexander Kluge die dctp (Development Company for Television Program) und konfrontierte das Programm von Sendern wie RTL, Sat.1 und später auch VOX mit legendären Sendungen (»Prime Time«, »10 vor 11«, »News & Stories«)

In der 2000er Jahren wendete sich Kluge wieder verstärkt dem schriftstellerischen Schaffen zu. 2004 erschien sein erzählerischer Doppelband »Chronik der Gefühle«, es folgten Werke in Kooperation (u.a. mit Ferdinand von Schirach und Ben Lerner) und eigene Bücher (zuletzt
»Kongs große Stunde – Chronik des Zusammenhangs«, 2015). Seine literarische Arbeit wurde unter anderem mit dem Büchner Preis, dem Adorno-Preis, dem Heinrich-Heine-Preis und dem Jean Paul Preis ausgezeichnet.
Kollektivprojekte mit anderen Autorenfilmern (Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Edgar Reitz), mit Philosophen wie Oskar Negt und bildenden Künstlern (Kerstin Brätsch, Anselm Kiefer, Thomas Demand) stehen für Alexander Kluges Prinzip der »Wunderkammer«: Cross-Mapping, Collage und Montage dienen der authentischen Vermittlung von Erfahrungen in einer gesellschaftlichen Wirklichkeit und für die Öffnung eines Dialogs mit der Öffentlichkeit.