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Do 17.10.19 // 18.30 Uhr // Bibliothek
Blaue Stunde

Raymond Queneau: ›Zazie in der Metro‹

Soirée mit Frank Heibert

»Zazie in der Metro« – das ist d e r Paris-Roman, eine urkomische Tragödie, zugleich politisches Pamphlet und geniale Stilübung. Heldin ist die halbwüchsige Zazie, die sich vor allem für Bludschiens und Caco Calo interessiert und nur ein einziges Mal Metro fährt, denn die wird bestreikt. Geschrieben 1959, 1960 von Louis Malle verfilmt, wurde »Zazie« zur Kultfigur der französischen Literatur.
In unserer »Blauen Stunde« stellt Frank Heibert seine gefeierte Neuübersetzung (Suhrkamp Verlag) vor und spricht über den anarchischen Spaß beim Übersetzen und Lesen von Queneaus Meisterwerk.

»Sollen wir irnkwo anhalten, auf einen Apéro ?«, fragt Charles.
»Hat was.«
»La Cave ?«
»In Saint-Germain-des-Prés ?« Zazie zappelt schon.
»Also wirklich, Mädchen«, sagt Gabriel, »was du dir wieder vor-stellst. Das ist doch vollkommen out.«
»Falls du andeuten willst, dass ich keine Ahnung habe«, antwortet Zazie, »kann ich nur sagen, du bist ein alter Sack.«
»Hast du das gehört ?«, sagt Gabriel.
»Was willze machen«, sagt Charles. »So ist die junge Generation.«
»Die junge Generation«, sagt Zazie, »die sch…«
»Schon verstanden«, sagt Gabriel,
»Nur die Ruhe. Also in die Eckkneipe ?«»Die von der richtigen Ecke«, sagt Charles.
»Genau«, sagt Gabriel.
»Und nachher kommst du zum Essen zu uns.«
»War das nicht so verabredet ?«
»Doch.«
»Ja und ?«
»Und ich bestätige.«
»Wenns verabredet war, muss es nicht bestätigt werden.«
»Dann sagen wir so, ich erinnere dich dran, falls du es vergessen haben solltest.«
»Habs aber nicht vergessen.« »Nachher kommst du also zum Essen zu uns.«
»Wie jetzt, Scheiße«, sagt Zazie, »gips gleich was zu trinken oder was ?«
Gabriel schraubt sich geschickt-geschmeidig aus der Taxe. Man setzt sich an einen Tisch auf dem Bürgersteig. Die Kellnerin schafft sich gemächlich bei. Und Zazie bringt gleich mal ihren Wunsch vor.
Also sie : »Eine Caco-Calo.«
Und die Antwort : »Gipsnich.«
»Na was«, ruft Zazie aus, »wo sinwer denn.«
Sie ist entrüstet.
»Ich«, sagt Charles, »nehm einen Beaujolais.«
»Ich«, sagt Gabriel, »eine Milch mit Grenadine.
Und du ?«, fragt er Zazie.
»Hab ich doch schon gesagt : ne Caco-Calo.«
»Gipsnich, hat sie gesagt.«
»Ich will aber ne Caco-Calo.«
»Kannst so viel wollen, wie du willst«, sagt Gabriel mit äußerster Geduld, »du siehst doch : Gipsnich.«
»Warum ham Sie keine ?«, fragt Zaz

Raymond Queneau »Zazie in der Metro«