Di 28.9.04 // 0 Uhr // Saal

Elefantengedächtnis

Lesung mit António Lobo Antunes

Wut, ätzende Kritik, boshafte Ausbrüche ins Phantastische und Komische. In Lobo Antunes’ Erstling von 1979, der jetzt in deutscher Übersetzung von Maralde Meyer-Minnemann vorliegt, spricht einer, der sich an der Welt reiben muss, um nicht an ihr zugrunde zu gehen. Dieser autobiographische Roman enthält im Ansatz alle Themen und Techniken des später weltweit gefeierten Literaten. Erzählt wird ein Tag im Leben eines Psychiaters in Lissabon und sein Versuch, mit seinen Dämonen zurechtzukommen: mit der Arbeit in der Irrenanstalt, den Erinnerungen an die bourgeoise Familie, der gescheiterten Ehe und der Erfahrung im Krieg in Angola, die sich nicht ad acta legen lässt. Am Ende des Tages wird klar, dass es für diesen Mann nur einen Weg geben kann, den Kontakt mit der Welt zu halten: das Schreiben – weil es für ihn gleichbedeutend ist mit der Fähigkeit, am Leben zu sein.

Moderation: Sigrid Löffler
Lesung des deutschen Textes: Andreas Neumann