Di 9.6.20 // 18 Uhr // per Videokonferenz
OFFENE WERKSTÄTTEN ONLINE

Autobiographie und Fiktion erkunden

Mit Lena Gorelik (2. Teil)

DAS ICH, WENN ICH SCHREIBE

Jeder Text ist ein Ich: Er kann nur aus einem selbst entstehen, es beinhaltet ein Ich, selbst wenn dieses in den Zeilen nicht vorkommt.Wie können wir unsere Geschichten erzählen, wie können wir sie fiktionalisieren, wie können wir, was wir erlebt, gefühlt, gefürchtet haben, für andere lesbar machen?

Wer ist das Ich, das schreibt, und wer ist das Ich, das man auf gar keinen Fall schreiben möchte? Wer ist dieses Ich, das sich von einer Figur am Schreibtisch in eine Figur des Textes verwandeln muss? Was erzähle ich über mich, und was will, was darf ich über andere erzählen? Wir werden die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich nicht finden, aber uns auf der Suche danach in Geschichten verstricken, Wir werden uns schreiben, ohne uns die Blöße zu geben, aber uns unserer selbst dabei vergewissern. Jede*r trägt mehr als eine Geschichte in sich.

Vor jedem Termin wird es vorab eine Schreibaufgabe für alle geben, deren Ergebnisse versandt werden, so dass alle Teilnehmer*innen alle Texte kennen.

  1. TEIL (DI 28.4.): DIE PERSPEKTIVE – Wo stehe ich, von welchem Standpunkt aus beobachte ich, wenn ich erzähle? Anhand einer Szene sprechen wir darüber, aus welchen Blickwinkeln sie erzählt werden kann.
  2. TEIL (DI 5.5.): AUTOBIOGRAPHISCHES ERZÄHLEN – Was geschieht, wenn ich von mir berichte? Wie groß muss der Abstand zu mir selbst sein, was scheint »erzählenswert« für die Lesenden? Anhand einer Erinnerung sprechen wir über die Möglichkeiten, , die eigene Geschichte ins Schreiben einzubringen.
  3. TEIL (DI 12.5.): VERGESSENE ERINNERUNGEN – Wir erinnern uns häufig vage, manchmal zusammenhangslos und immer subjektiv an Bilder, Momente, Sätze. Wie kann ich diese verschwommenen Emotionen in konkrete, greifbare, kurze Szenen übersetzen?
  4. TEIL (DI 19.5.):  STRUKTUR DER ERZÄHLUNG – Wo beginne ich zu erzählen, wo höre ich auf, was lasse ich weg? Anhand einer Geschichte sprechen wir darüber, was die wichtigsten Stationen einer Erzählung sind, und wo man am besten einen Punkt setzt.FORTSETZUNG (2. Teil)
  5. TEIL (DI 9.6.): DIE ANDEREN, VON MIR ERZÄHLT: Die Einführung von Figuren
  6. TEIL (DI 16.6.): OHNE DU KEIN ICH: Von den Adressaten unserer Erzählungen
  7. TEIL (MI 24.6.): DIESE EINE STIMME: Der richtige Ton für deine Geschichte
Lena Gorelik (© Charlotte Troll)

LENA GORELIK, geboren in Russland, Studium an der Deutschen Journalistenschule in München, hat fünf Romane und ein Jugendbuch geschrieben. Sie veröffentlicht Essays und hat eine wichtige Stimme in Diskussionen unserer Zeit gewonnen. Ihre Bücher wurden nominiert für den Deutschen Buchpreis (»Hochzeit in Jerusalem«, 2007, SchirmerGraf) und den Jugendliteraturpreis (»Mehr Schwarz als Lila«, 2018,  Rowohlt), ausgezeichnet u.a. mit dem Bayerischen Kunstförderpreis, dem Ernst-Hoferichter-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis. Seit vielen Jahren gibt sie im In- und Ausland Seminare zum Schreiben, erfreulich häufig auch im Literaturhaus München.