Ausstellungen

Inspiriert von Virginia Woolf

Aus New York ins Literaturhaus München: Die spektakuläre Fotoausstellung zur Gender-Thematik, kuratiert von Tilda Swinton, inspiriert von Virginia Woolfs feministischem Meisterwerk ORLANDO

 

Virginia Woolfs »Orlando« (1928) erzählt die Biografie eines jungen Adligen, der mehrere Jahrhunderte durchlebt. Dabei altert er nicht merklich, erwacht nach einem langen Schlaf jedoch plötzlich als Frau. Der Roman ist eine Reise durch die Zeit: Während die Erzählung in der Ära der Königin Elisabeth I. beginnt, findet sich Orlando am Ende in der Gegenwart wieder. Heute, in einer Zeit vielschichtiger Identitätskonzepte, ist die Thematik aktueller denn je.

Tilda Swinton, die in Sally Potters preisgekrönter Filmadaption von 1992 die Titelrolle spielte, hat sich Jahre später erneut von »Orlando« inspirieren lassen und für die Aperture Foundation, New York, eine an den Roman angelehnte Ausstellung mit Fotografien von Zackary Drucker, Lynn Hershman Leeson, Paul Mpagi Sepuya, Jamal Nxedlana, Walter Pfeiffer, Viviane Sassen u.a. kuratiert.
Die Künstler*innen interpretieren die visionäre Perspektive dieses hochmodernen Romans neu und folgen seinem Aufruf zu wahrer Freiheit: von Vorschriften des Geschlechts, der Geschichte, der ethnischen Zugehörigkeit. So changieren die Bilder zwischen den Genres und sind weit aufgespannt zwischen Kunst-, Mode-, und Gesellschaftsfotografie.

Das Münchner Literaturhaus erweitert die Ausstellung um einen Einblick in die Entstehungsgeschichte von »Orlando«, dieses »längsten und bezauberndsten Liebesbriefs der Literaturgeschichte«, mit Fotografien und Briefen von Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Ergänzt wird die Schau um eine Audiobegleitung mit Originalpassagen aus dem Roman – gelesen von Wiebke Puls. Und das Begleitprogramm nähert sich dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen: in interaktiven Führungen der »Kammerqueers«, in Filmvorführungen und einer szenischen Interpretation u.a. mit Corinna Harfouch

»Der Geschlechterwandel veränderte zwar beider Zukunft, doch er hatte keinerlei Auswirkungen auf ihre Identität.«

Virginia Woolf »Orlando«