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Lion Feuchtwangers Bayern

Plakat zur Ausstellung (Illustration © Dirk Schmidt, Gestaltung: unodue { münchen)

Lion Feuchtwanger, 1884 in München geboren, war 1925 – enttäuscht von den politischen Entwicklungen in seiner Vaterstadt – nach Berlin gezogen. Dort begann er die Arbeit an einem Roman über seine Heimat – über das Land Bayern der Jahre 1921 bis 1924.

»Als moderner deutscher Romanschriftsteller habe ich an einem Helden oder einer Heldin kein Interesse. Ich wählte für diesen Roman Gruppen von Charakteren und nicht Einzelindividuen. […] Das Land Bayern ist der eigentliche Held meines Romanes.«

Lion Feuchtwanger

Sein Roman »Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz« (erschienen 1930) eröffnet ein facettenreiches gesellschaftliches Panorama Bayerns in den frühen 1920er Jahren. Lion Feuchtwanger entwirft ein Bild des Landes mit seiner Hauptstadt München, das sich aus realen wie aus erfundenen Orten zusammensetzt. Er entwickelt eine Typologie der Einwohner, von den »Großkopfigen« über Kleinbürger, Schriftsteller, Ingenieure und Handwerker bis hin zu Königstreuen und Bauernführern, Künstlern und Fabrikanten – Gruppierungen, von denen einige in einer Partei aufgehen, die langsam immer stärker wird und in dem Putschversuch der Nationalsozialisten am 8./9. November 1923 ihren Höhepunkt erreicht.

Feuchtwanger beschreibt eine aus den Fugen geratene Zeit, die von den Folgen des Ersten Weltkriegs, dem Untergang der Monarchie und dem missglückten Versuch der Räterepublik geprägt ist. Die Linke wird radikal verfolgt, politische Morde sind an der Tagesordnung und die wirtschaftlichen Verwerfungen der Weimarer Republik, ausgelöst durch Reparationsforderungen der Siegermächte und Ruhrgebietsbesetzung, wirken durch die Inflation tief in das Alltagsleben der Bevölkerung.
Bei aller Kritik, die Feuchtwanger an den bestehenden Zuständen in Bayern ausdrückt, ist sein Text auch geprägt von Sympathie mit seiner bayerischen Heimat und ihren Bewohnern.

»Ist er nicht großartig in seiner Ich-Beschränktheit, dieser Bewohner der bayrischen Hochebene? Wie er seine Fehler als Stammeseigentümlichkeiten glorifiziert. Mit welcher Überzeugung nennt er seine atavistische Plumpheit patriarchalisch, seine Grobheit knorrig, seine dumpfe Stierwut gegen alles Neue Sinn für Tradition. Prachtvoll, wie er sich wegen seiner primitiven Rauflust als den bayrischen Löwen feiert.«

so der Schriftsteller Tüverlin im Roman

Der Roman wird scheinbar aus dem Jahr 2000 rückschauend erzählt, von einem Erzähler, der mit dem Blick des Ethnologen und Historikers ein Volk aus einer fernen Vergangenheit unter die Lupe nimmt.

»Ich möchte nicht Einzelheiten des Jahres 2 oder 3 photographieren, sondern ein Bild malen vom ganzen Jahrzehnt, ich ändere Einzelheiten, die heute aktenmäßig sind, weil sie in der Distanz von fünfzig oder vielleicht schon von zwanzig Jahren unwahr werden.«

Lion Feuchtwanger

Die Ausstellung beleuchtet zunächst den biografischen Hintergrund, zeigt Feuchtwangers Arbeitsweise, um dann die Kernthemen des Romans und deren historischen Kontext zu visualisieren. Sichtbar gemacht werden die historischen Bezüge durch zeitgenössische Filme, Fotos, Zeitungen, persönliche Dokumente, historische Objekte. Dadurch soll der ethnologische Blick gezeigt werden, mit dem Feuchtwanger auf die Heimat zurückblickt: Auf sein geliebtes, gehasstes Bayern.