Making Comics

Dreaming on Paper

© Dominik Wendland

»You are fluent in this language (and don’t even know it)«

Christoph Niemann

 

Heute ist unser Alltag ohne die Verständigung über Bilder und Zeichen nicht mehr denkbar, vom Verkehrsschild bis hin zur meisterhaften Symbolik in den visuellen Medien der Kunst.
Der Comic bildet dabei eine immer noch neue intermediale Brücke zwischen dem Bild und allen klassischen Formen der Narration und bietet dadurch oft überraschende Möglichkeiten. Vom 17. November bis zum 15. Dezember 2020 fand unter dem Titel »Vom Einzelbild bis zur Graphic Novel« das 5-teilige Online-Seminar mit 13 wild entschlossenen Teilnehmer*innen statt.

EINBLICKE IN DIE COMICWERKSTATT: »Vor dem Fest« © Maja Sturm

DER CARTOON

Zu Beginn unseres Seminars haben wir uns zunächst freien Zeichentechniken und dem Alphabet der visuellen Kommunikation gewidmet –  die erste Station unserer narrativen Reise: der CARTOON. Irgendwo zwischen Aphorismus und Illustration steht der Cartoon als eine Art pointierter Kommentar, mit dem wir zunächst bereits bestehende Geschichten zusammengefasst haben, um ein besseres Augenmerk auf die Möglichkeiten des grafischen Erzählens und das Spannungsfeld zwischen Text und Bild zu legen.

EINBLICKE IN DIE COMICWERKSTATT: 4 Post-it-Panels © Maja Sturm

DER STRIP

Daraus wurden dann im zweiten Teil der Zeichenwerkstatt die ersten STRIPS – in drei bis vier Bildern erzählte kurzen Gedanken, Gedichte und Geschichten. Dabei haben wir uns dem amerikanischen Stripgroßmeister James Kochalka näher gewidmet, der mit seinem reichhaltigen Repertoir zeigt, was in dieser Disziplin alles möglich ist.

DER EINSEITER

Mit den ersten ganzen Seiten wurden dann auch Einstieg und Dramaturgie der Geschichten immer wichtiger. Unter Zuhilfenahme verschiedener Erzählmodelle wie bespielsweise dem klassischen »DREI-AKT« der Theatertheorie hatten wir die Möglichkeit, unsere eigenen Geschichten schnell und einfach mit bewährten Narrationsmustern abzugleichen.

EINBLICKE IN DIE COMICWERKSTATT: Tagebuch-Übung

DER SPREAD

Die zunehmende Länge und Komplexität unserer Geschichten brachte uns nicht nur die Möglichkeit, uns immer ausgefuchsterer Dramaturgien zu bedienen, um die »Reise des Helden« zu begleiten, sondern auch den Experimentierraum, um zu untersuchen, wie sich die Komposition der Einzelbilder und die Anordnung der jeweiligen Panels sinnvoll für unsere Erzählungen nutzen lassen. Dabei waren der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt.

EINBLICKE IN DIE COMICWERKSTATT: Panels einmal anders © Philip Reichart

DIE PUBLIKATION

Und als wir in der letzten Stunde die Möglichkeiten der Reproduktion, bzw. der Veröffentlichung besprochen haben, war die Motivation, eine erste eigene Publikation aus den entstandenen Geschichten zu machen auf dem Höhepunkt – doch leider war unsere gemeinsame Zeit da schon wieder vorbei.

EINBLICKE IN DIE COMICWERKSTATT: »Alarm« © Sandra Schulze

Die Hoffnung ist allerdings groß im Sommer (dann vielleicht sogar nicht nur im digitalen Raum) eine Fortsetzung des Seminars anbieten zu können.

Vielen Dank  an alle Teilnehmer*innen, die den Kurs mit ihrer ungebremsten Motivation und kreativen Lösungswegen der einzelnen Aufgaben bereichert und zu einem großen Spaß für alle gemacht haben.

LIEBLINGSCOMICS DER TEILNEHMER:
EMIL FERRIS »Am liebsten mag ich Monster« (Aus dem amerikanischen Englisch von Torsten Hempelt, Panini) // NEIL GAIMAN »Sandman-Saga« (Vertigo) // HAJIME ISAYAMA »Attack on Titan« (Aus dem Japanischen von Claudia Peter, Carlsen) // SUI ISHIDA »Tokyo Ghul« (Aus dem Japanischen von Yuko Keller, Kazé Manga) // TOVE JANSSON »Die Mumins« (Aus dem Englischen von Michael Groenewald, Annette von der Weppen & Matthias Wieland, Reprodukt) // MIRIAM KATIN »Letting it go« (Drawn & Quarterly) // KEN KRIMSTEIN »Die drei Leben der Hannah Arendt« (Aus dem amerikanischen Englisch von Hanns Zischler , dtv) // MANU LARCENET (Bild) & Philippe Claudel (Text) »Brodecks Bericht« (Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock, Reprodukt) // MANU LARCENET »Der alltägliche Kampf« (Aus dem Französischen von Barbara Hartmann und Kai Wilksen, Reprodukt) // CATHERINE MEURISSE »Die Leichtigkeit« (Carlsen) // Alejandro Jodorowsky (Text) & MOEBIUS (Bild) »Der Incal« (Splitter Verlag) // TAKESHI OBATA (Bild) & Tsugumi Ohba (Text) »Death Note« (Tokyopop) // PACO ROCA »La Casa« (Aus dem Spanischen von André Höchemer, Reprodukt) // LIV STRÖMQUIST »Der Ursprung der Liebe« (Aus dem Schwedischen von Katharina Erben, avant-verlag) // Alles von JIRO TANIGUCHI (Carlsen) // CRAIG THOMPSON »Habibi« (Aus dem Amerikanischen von Stefan Prehn, Reprodukt) // YOSHIHARU TSUGE »Der nutzlose Mann« (Aus dem Japanischen von Nora Bierich, Reprodukt) // BILL WATTERSON »Calvin und Hobbes« (Aus dem Englischen von Matthias Wieland, Carlsen) // BARBARA YELIN »Riekes Notizen« (Reprodukt)

THEORIE LEKTÜREEMPFEHLUNGEN IM KURS:
LINDA BARRY »Making Comics« (Drawn and Quarterly) // IVAN BRUNETTI »Cartooning – Philosophy & Practice« (Yale University Press) // Scott MCCLOUD »Comics machen« (Aus dem Amerikanischen von JensBalzer, Carlsen) // CHRISTOPHER VOGLER »The Wirters Journey« (Michael Wiese Productions) // CHRISTOPH NIEMANN »Sunday Sketching« (Knesebeck Verlag)

Dominik Wendland © privat

DOMINIK WENDLAND, Autor prämierter Comicerzählungen wie »Tüti« (2017) und »EGOn« (2019, beide Jaja Verlag), für die er 2018 mit dem Bayrischen Kunstförderpreises für Literatur ausgezeichnet wurde. Daneben ist er Workshopleiter (u.a. bei der Christoph Niemann-Ausstellung im Literaturhaus 2019) und unterrichtet er seit Oktober 2020 an der Technischen Universität München den Kurs »Making Comics«.

 

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