Mi 26.11.97 // 0 Uhr // Saal

Zwischen den Blumen das Unkraut

Salome Kammer singt, trällert, rezitiert, röhrt und erzählt Texte und Lieder von Brecht, Weill, Huelsenbeck, Eisler, Arp, Berg, Schwitters

Am Flügel: Matthias Huth

Was ist das nur für eine Leidenschaft, die Dinge immer ordentlich einzuteilen, wie im Garten? Kultur zu Kultur, Gesang zu Gesang, Protest zu Protest, Literatur zu Sprache, Musik in die Konzertsäle, Klassik in die Schlösser, Moderne in Neubauten, etc. In Wirklichkeit wachsen die Lieder, die Gedichte, die Frechheiten und das Gestammel dicht nebeneinander, wie Blumen und Unkraut. In wenigen Jahren geht eine Jahrhundert zu Ende, das sich daran gemacht hat, alle diese Regeln zu brechen. Hat es etwas genützt?

Salome Kramer kann man nicht einordnen. Sie ist Blume und Unkraut in einem. Sie ist Singschauspielerin, Stimmakrobatin, Cellistin, Diseuse, Avantgardesängerin, sie singt klassisch, Broadway, Belcanto, Musical, Jazz oder romantisches Lied. Salome Kramer ist bekanntgeworden durch ihre Interpretation der “Clarissa” in DIE ZWEITE HEIMAT von Edgar Reitz. Ihr Repertoire umfasst so unvereinbare Welten wie Schönbergs “Pierrot Lunaire”, “Eliza Doolittle” in “My Fair lady”, Lieder von Alban Berg und Stimmexperimente von John Cage, Luciano Berio, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm u.a.