Mo 6.7.26 // 19 Uhr // Saal & Stream
Foyer-Bar ab 18 Uhr

Königin der Nacht

Lesung mit Lukas Bärfuss

Moderation: Tanja Graf

»Ein Mutter ist, was man nicht loswird.«

LUKAS BÄRFUSS »KÖNIGIN DER NACHT«

Ein Kind lebt zusammen mit seiner Mutter in einem kleinen Ort in der Schweiz. Die Mutter hat keinen Mann, dafür viele Männer. Geld gibt es keins, ebenso wenig, wie Liebe für den Sohn. Als Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit unstillbarem Freiheitsverlangen, bleibt ihr nur die Waffe der Ohnmächtigen: Das böse Maul. Und der Sohn? Muss sich früh in der Kunst üben, diese Mutter zu überleben. Nach seinem gefeierten autobiografischen Text »Vaters Kiste« wendet sich der Schweizer Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss dem Leben seiner Mutter zu (Rowohlt). Mit schmerzhafter Klarheit schreibt er über die Not, aber auch über die Kraft des Kindes. Und er stellt die entscheidende Frage: Wo in diesem Leben hört die persönliche Verantwortung auf und beginnt die einer ganzen Gesellschaft?

»Er kennt seine Mutter nicht. Hat nie gewusst, was das bedeutet: eine Mutter, ein Sohn. Worte. Begriffe. Er misstraut ihnen. Von Berufs wegen. Er ist Schriftsteller.«

LUKAS BÄRFUSS »KÖNIGIN DER NACHT«

»Dieser Schriftsteller. Nie um einen schlauen Satz verlegen. Für seine Mutter hat er kein Wort übrig.

Ein Sohn? Ein Schuft.

Aber was hätte er tun sollen? Sie war keine Mutter. Sie war gefährlich. Sie hatte ihn mit fünfzehn auf die Straße gejagt. Zu den Gaunern und den Junkies und den Huren und den Bullen. Der Junge hat überlebt. Der Mann ist stark geworden, zäh und hart.«

LUKAS BÄRFUSS »KÖNIGIN DER NACHT«

»Nein, sie wollte keine Mutter sein, keine Müeti, keine Hausfrau. Eine Königin wollte sie sein, eine Königin der Nacht, sich niemals beschweren, nichts erklären, eine Fürstin ohne Reich, in der Finsternis einer Gesellschaft, in der sie keine Bedeutung hatte.«

LUKAS BÄRFUSS »KÖNIGIN DER NACHT«