Do 12.11.20 // 20 Uhr // Saal & Stream
Einlass 19.30 Uhr
Mix

Herbst-Mix

Texte & Töne, Comic & Getränke mit Christian Baron, Lisa Frühbeis & Laura Lichtblau

Moderation: Marion Bösker-von Paucker, Tanja Graf & Alke Wendlandt

»Mochte mein Vater auch manchmal unser letztes Geld in irgendeiner Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben: Ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders.«

Kaiserslautern in den neunziger Jahren: CHRISTIAN BARON erzählt in seinem Debüt »Ein Mann seiner Klasse« (claassen) mit großer Kraft und Intensität die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Er beschreibt, was es bedeutet, in diesem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge männliche Gewalt zu erfahren. Was es heißt, als Jugendlicher zum Klassenflüchtling zu werden. Was von all den Erinnerungen bleibt. Und wie es ihm gelang, seinen eigenen Weg zu finden.

Wussten Sie, dass sechs von sieben Figuren bei »Super Mario Kart« männlich sind? Und Princess Peach fährt voll lahm und kichert nervig! War Ihnen klar, dass es weiblichen Exhibitionismus vor dem Gesetz nicht gibt? Ist ja auch zu hübsch anzuschauen! Schon gemerkt, dass die großen Gewinner der Emanzipation Gender-Marketing und Pink Tax heißen? Oder dass ein Gros der umgangssprachlichen Bezeichnungen für das männliche Genital sich von grobem Mordwerkzeug ableitet? Scharfsinnig, meinungsstark und mit viel Humor stellt LISA FRÜHBEIS in ihren feministischen Comic-Kolumnen – zuerst als «My 100 Days of Strangelife« im Berliner Tagesspiegel veröffentlicht und jetzt wunderbarerweise gesammelt vorliegend »Busengewunder« (Carlsen)  – Beobachtungen zu den vorherrschenden Geschlechterrollen an, um überraschende Schlüsse daraus zu ziehen und bissige Denkanstöße zu geben. Ausgezeichnet mit dem Max und Moritz-Preis in der Kategorie »Bester deutschsprachiger Comic-Strip« und dem Bayerischen Kunstförderpreis.

Es ist kalt geworden in Berlin, es ist die Zeit der Rauhnächte. Lautstarke Propaganda dominiert längst nicht mehr nur die Straßen der Hauptstadt, sondern die Politik des ganzen Landes. Und mittendrin taumeln drei Verlorengegangene, die plötzlich beginnen, sich Fragen zu stellen. Da ist Burschi, die Johanna liebt, gegen alle Widerstände. Da ist Charlie, der in anarchischen Musikerkreisen zwischen Joints und lauten Beats erwachsen wird. Und da ist Charlotte, seine Mutter, Scharfschützin einer Bürgerwehr, die in ihren Loyalitäten schwankt und dabei droht den Verstand zu verlieren. Ist ihre Militanz vielleicht nur ein missglückter Versuch, dem eigenen Leben zu entkommen? LAURA LICHTBLAU entwirft mit ihrem Debütroman »Schwarzpulver« (C.H.Beck) eine urbane Dystopie. In feiner, gleichzeitig wilder – beinahe wildwüchsiger – Sprache, mit Witz und Leichtigkeit, erzählt sie vom unbewussten Verlangen nach Freiheit in einem Staat, dessen Ziel die absolute Unterdrückung ist.

»Wer halbdunkle Dystopien mag, die einzelne Figuren eben heller aufscheinen lassen, weil sie Heil suchen, Sehnsucht und Leidenschaft beweisen, und wer eine Sprache mag, die verführt, betört und – wow, wow, wow – so klingt wie die keiner anderen Erzählerin im Land, der wird Laura Lichtblaus ›Schwarzpulver‹ schätzen können und sich keine andere Lese-Munition für diesen Herbst wünschen.«

Nora Gomringer