Do 17.7.03 // 0 Uhr // Saal

Die Unvollendeten

Lesung mit Reinhard Jirgl

Familienromane haben Hochkonjunktur: Jonathan Safran Foer, Stephan Wackwitz, Jeffrey Eugenides begeistern in diesem Jahr die Leserschaft. Die Zeit der Abrechnung mit der Vergangenheit scheint vorbei, eine neue Leichtigkeit im Umgang mit der Geschichte der Väter und Großväter wird dem entgegengesetzt. Auch bei Reinhard Jirgls Roman »Die Unvollendeten« ist es »der historische Abstand, aus dem der Enkel vollbringt, was dem Sohn noch missglückte: ein reiches, ein hintergründiges, ein ambivalentes Tafelbild der jüngsten Geschichte« (Iris Radisch). Von den Vertreibungen aus dem Sudetenland zum Berlin des Jahres 2002: erzählt wird die Geschichte von vier Frauen aus der Kleinstadt Komotau, die nach dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben sind: die siebzigjährige Johanna, deren Töchter Hanna und Maria und die siebzehnjährige Enkelin Anna. Eine Familiensaga von Heimatlosen, die der Verlust bis heute nicht los lässt. Selten ist die deutsche Nachkriegszeit so überzeugend geschildert worden.

Moderation: Helmut Böttiger