Mo 16.11.20 // 20 Uhr // Saal & Stream
Einlass ab 19.30 Uhr
Studio Salvatorplatz

›Die Sommer‹ & ›Alle Hunde sterben‹

Ein Abend mit Ronya Othmann & Cemile Sahin

Moderation: Doris Akrap (taz)

Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Jeden Sommer verbringt Leyla dort. Sie riecht und schmeckt es. Sie kennt seine Geschichten. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden. Sie sitzt in ihrem Gymnasium bei München, und in allen Sommerferien auf dem Erdboden im jesidischen Dorf ihrer Großeltern. Im Internet sieht sie das von Assad vernichtete Aleppo, die Ermordung der Jesiden durch den IS, und gleich daneben die unbekümmerten Fotos ihrer deutschen Freunde. Leyla wird eine Entscheidung treffen müssen. RONYA OTHMANN, Gewinnerin des Publikumspreises des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs (2019), erzählt in ihrem ergreifenden Debütroman »Die Sommer« (Hanser) voller Zärtlichkeit und Wut über das Dasein zwischen zwei Welten.

Nach ihrem starken Debüt »Taxi« erzählt CEMILE SAHIN in »Alle Hunde sterben« (Aufbau) in neun Episoden von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt. Darunter: Eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Ein Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Eine Frau, die angekettet in einer Hundehütte gehalten wird. Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein. Ihr Buch ist eine Chronik über ein Land, geprägt von Militarismus und Nationalismus.

Ronya Othman und Cemile Sahin verfassten im Wechsel die taz-Kolumne »Orient Express«.