Di 31.1.12 // 20 Uhr // Saal

Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht

Ein Abend mit Alexander Kluge

Film: die kleine filmfabrik

»Wer die Massaker nicht erinnert, der pflegt sie.« – sagt der Jurist, Filmemacher und Autor Alexander Kluge. Mit »Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe« (Suhrkamp Verlag) schließt er nun sein großes Erzählprojekt ab, das die zweibändige »Chronik der Gefühle« und die Geschichtensammlungen »Die Lücke, die der Teufel läßt« und »Tür an Tür mit einem anderen Leben« umfasst. In seinen Erzählungen bildet er Lebensläufe ab, die erschüttert wurden – durch Kriege und andere Katastrophen. Diese Lebensläufe sind für Kluge das Gefäß aller Erfahrung – für Abgründe der Vernunft, für Brückenköpfe zu offenen Horizonten und den inneren Partisanen in jedem von uns.

Alexander Kluge wurde am 14. Februar 1932 in Halberstadt geboren. Er studierte in Marburg und Frankfurt/Main Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik. Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt absolvierte er ein Volontariat bei dem Filmregisseur Fritz Lang und betätigte sich mit Erfolg als Filmemacher und literarischer Autor. Er erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Deutschen Filmpreis 2008 (Ehrenpreis).

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Büchertisch: Buchhandlung Lillemor’s
Eintritt: Euro 9.- / 7.-

»Unsere Lebensläufe sind die Häuser, aus deren Fenstern wir Menschen die Welt deuten: ein Gefäß der Erfahrung für das literarisch Erzählbare.« (Alexander Kluge)

»Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine. Das liegt daran, daß Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt. Die Bücher sind ein großzügiges Medium und ich trauere noch heute, wenn ich daran denke, daß die Bibliothek in Alexandria verbrannte. Ich fühle in mir eine spontane Lust, die Bücher neu zu schreiben, die damals untergingen.« (Alexander Kluge, Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis, 1993; aus dem Buch »Personen und Reden«,Wagenbach Verlag)