Di 25.1.11 // 20 Uhr // Foyer

Die Demontage der Leitkultur. Flauberts innerer Orient

Podiumsdiskussion mit Barbara Vinken und Edi Zollinger

Barbara Vinken, Professorin für Allgemeine und Französische Literaturwissenschaft an der Universität München, hat mit ihrem Buch »Flaubert. Durchkreuzte Moderne« (S. Fischer Verlag) eine brillante Studie zu Flauberts Funktion als »Vater« und Erneuerer der modernen Literatur vorgelegt. Zusammen mit Cornelia Wild hat sie außerdem das gerade im Merve Verlag erschienene Flaubert-Wörterbuch »Arsen bis Zucker« herausgegeben, das, wie Christian Geyer in der FAZ pointiert hat, »süchtig macht«. Edi Zollinger, Professor für französische Literaturwissenschaft in Frankfurt/ Oder, inszeniert in »Arachnes Rache« (Wilhelm Fink Verlag) einen fiktiven Autoren-Wettstreit zwischen Gustave Flaubert und Victor Hugo.

Die Podiumsdiskussion widmet sich der Herkunft der neueren Vorstellungen von »Leitkultur« aus dem Nationenbewußtsein des 19ten Jahrhunderts. So wird dargelegt, wie der unbestrittene Gründungsvater der modernen Literatur in Frankreich, Gustave Flaubert, die damals neuesten Forschungen zum Orient für eine ätzende Kritik der katholischen Kirche und ihrer modernen, säkularen Folgeformationen, Republik und Kaiserreich, einsetzt. Paris, die Hauptstadt des 19ten Jahrhunderts, ist für Flaubert nichts als die Nachfolgerin Babylons. Er stellt damit nicht mehr das aufgeklärte, rationale, demokratische Europa gegen einen idolatrischen, fanatischen und tyrannischen Orient, sondern Europa selbst – Judentum, Christentum samt allen aufgeklärten Fortschrittsversprechen – erscheint in einem orientalischen Licht.
Mitveranstalter: Institut français de Munich