Do 2.3.17 // 20 Uhr // Saal

Bayerischer Buchpreis 2016: Das Leben und Sterben der Flugzeuge

Ein Abend mit Heinrich Steinfest & Denis Scheck

Was haben ein Pariser Bahnhofsspatz und ein deutscher Kommissar miteinander zu tun? Ist der eine der andere?
Oder umgekehrt? Die Lektüre dieses rasant-komischen Romans, der mit dem Bayerischen Buchpreis 2016 ausgezeichnet wurde (Piper Verlag), ist ein atemberaubendes literarisches Experiment und ein großes Lesevergnügen.
Und Denis Scheck und Heinrich Steinfest sind ein literarisches Duo, das beste Unterhaltung verspricht!

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 12.- / 8.-

»Heinrich Steinfest ist in seiner Surrealität einer der realistischen Autoren der Gegenwart. In seinen ganz und gar unberechenbaren Romanen hält er der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts seinen geistreichen Spiegel vor.« (Jurybegründung, Bayerischer Buchpreis 2016)

Leseprobe zu »Das Leben und Sterben der Flugzeuge«:

»Abschlag
›Du stehst falsch, Schatz.‹
Ich dachte mir: ›Na, das kommt drauf an.‹ Und genauer: ›Das kommt drauf an, was man vorhat.‹
Ich spürte, wie die Frau, die mich ›Schatz‹ nannte, von hinten meine beiden Schultern berührte und mit leichtem Druck versuchte, meinen Körper in eine Position zu dirigieren, die geeignet war, den Golfball hinunter auf den Fairway zu spielen. Statt hinein in die Bäume, wie zu befürchten war, sollte ich so stehenbleiben, wie ich stand.
Über den Sinn des Golfspiels kann man streiten. Erst recht, wenn der Spieler blind ist. Richtig blind. Mein Augenlicht ist vor Jahren verloschen. Vieles kenne ich von früher, als ich noch sehen konnte. Etwa auch diesen Golfplatz, der sich glücklicherweise kaum verändert hat.
Im Wissen um das eigene langsame Erblinden schaut man sich die Welt sehr viel genauer an, als wenn man sich ihres Anblicks sicher zu glauben meint. Welcher Sehende könnte aus dem Gedächtnis schon sagen, wo denn alle Dinge stehen und wie ihre äußere Form beschaffen ist? Wobei ich nicht sagen will, die visuelle Welt auswendig gelernt zu haben sei ein guter Ersatz für die Schlampigkeit derer, die sehen. Natürlich wäre ich lieber geblieben, was ich war: ein nachlässig Sehender statt ein genauer Blinder. Doch das ging eben nicht. Die Blindheit zwang mich zur Präzision.
Freilich stolpern auch Blinde. Und auch blinde Golfspieler stehen mitunter falsch zum Ball, falsch zum Platz und zielen in die falsche Richtung.
Die Frau hinter mir – eine gute Freundin, die sich die spezielle Anrede erlauben durfte – meinte also, mich ein wenig umlenken zu müssen, damit ich meinen Ball nicht ins sogenannte Rauhe schlug, einen Bereich unberührter oder wenigstens fast unberührter Natur.«