Wollust des Untergangs

100 Jahre Thomas Manns »Der Tod in Venedig«

1911 bereist Thomas Mann auf der Suche nach Zerstreuung Italien und Venedig. Die »Reihe kurioser Umstände und Eindrücke«, die ihm auf dieser Reise widerfahren, will Mann als kleine, »rasch zu erledigende Improvisation« niederschreiben. Innerhalb eines Jahres entsteht daraus die Novelle »Der Tod in Venedig«, die Thomas Mann als sehr ernstes, da sehr persönliches Werk, empfindet. Diese Novelle ist bis heute international eine der bekanntesten und populärsten Arbeiten Thomas Manns.

Der nur kurze Text spiegelt wie kaum ein anderer in einer großen atmosphärischen und inhaltlichen Dichte die großen Themen Thomas Manns wider: die Künstlerproblematik, die griechische Mythologie, die Philosophie Nietzsches, die Homoerotik, die enge Verwobenheit der Erzählung mit Thomas Manns biografischen Erlebnissen – vor dem Hintergrund der kultur- und literaturhistorisch bewegten Epoche des fin de siècle um 1900. Venedig war von jeher aufgrund seiner glanzvollen Geschichte und der einzigartigen Lagunenlage Anziehungspunkt und Inspiration für Künstler. Thomas Manns Novelle »Der Tod in Venedig« hat die emotionale Aufladung dieser Stadt darüber hinaus maßgeblich beeinflusst.

Hundert Jahre nach der Erstveröffentlichung stellt die Ausstellung den Text sinnlich inszeniert in den Mittelpunkt: Die Besucher folgen dem Protagonisten Gustav von Aschenbach auf seiner Reise nach Venedig bis zum »Untergang« und können die Hintergründe und kunstvollen Strukturen dieser – laut zeitgenössischer Kritik – »meisterhaften« Novelle entschlüsseln: sehend, lesend und hörend. Auf diese Weise lädt die Ausstellung dazu ein, der Wirkungsmacht der Erzählung und ihrer Sprache – der »Wollust« – nachzuspüren, und verführt zur Wiederentdeckung des Textes.