Wer haust in meiner Stirn

Fundsachen Heiner Müller

Heiner Müller wäre 1999 siebzig Jahre alt geworden. Rund 130 000 Blatt oder 70 laufende Archivmeter umfaßt sein Nachlaß , der von der Akademie der Künste verwaltet wird. Vor dem Wegwerfen hatte Müller panische Angst und hob so seine Manuskripte, Programmhefte, Notizbücher, Korrespondenzen, Videos, Fotos und unzählige Ideenpapiere sorgfältig auf. Die Akademie versuchte nun, erste Strukturen in dieses »Chaos« zu bekommen und hatte dabei auch die Hinterlassenschaft seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Inge Müller, im Blick. Neben der Erstellung einer Werkausgabe dient diese erste Werk- und Materialienschau dazu, den Dramatiker und Dichter Heiner Müller (1939-1995) zu ehren. Man erhält Einblick in den poetischen Kosmos einer einzigartigen kreativen Energie. Anhand von 25 Vitrinen, gläsernen Kapiteln gleich, wird mit thematischen Schwerpunkten ein Dichterleben ausgebreitet: Lyrik, Drama, Kritik und Rezeption, der Ausschluß aus dem Schriftstellerverband, Heiner und Inge Müller, Opernregie, Akademiearbeit, Shakespeare-Lektüren, Korrespondenzen. Dem Prinzip der Collage und des poetischen Zusammenspiels verpflichtet, das Müller in seinem literarischen Werk pflegte, präsentiert sich die Ausstellung wie ein großes Puzzle aus biographischen und literarischen Details und Sequenzen. Zeichnungen von Bob Wilson, Bühnenfotos von Brigitte Mayer, seiner letzten Frau, sowie eine biographische Darstellung auf Schautafeln (von Jan-Christoph Hausschild und Jürgen Häusser) ergänzen die Fundstücke aus dem Nachlaß. Ein kleiner Exkurs zeichnet die Präsenz des Berliner Dramatikers auf den Münchner Bühnen (Kammerspiele, Cuviellestheater, Marstall) nach.