Vladimir Nabokov

Die Augen des Schmetterlings

Von Petersburg nach London, von London nach Berlin, von Berlin nach Paris und New York – das Leben Vladimir Nabokovs war, ganz wie im Sprichwort, eine einzige Reise. Es umspannte die russische Revolution und zwei Weltkriege und teilte mit der Emigration das typische Intellektuellenschicksal des Jahrhunderts. Schließlich endete es in exklusiver Stille im schweizerischen Montreux. Zugleich legte es auf unübertreffliche Weise den Weg der Literatur in die Moderne dar und hinterließ zuletzt, neben einer Reihe meisterhafter Werke und einer großen persönlichen Liebe, einen kleinen blaugelben Schmetterling namens Plebeius Lysandra cormion Nabokov.

Wer war der Mann, der all das schuf und durchlebte? Nabokov, geboren 1899, gestorben 1977, wäre am 23. April hundert Jahre alt geworden, und noch immer verbindet sich sein Ruhm weitgehend mit dem Buch, das zugleich ein Skandal und ein Ereignis war: »Lolita«. Fast alles andere bleibt zu entdecken, seine Bücher und seine Arbeit als Wissenschaftler ebenso wie sein Leben.
Davon berichtet die Ausstellung: Sechs dem Werdegang Nabokovs gewidmete Stationen lassen ein Bild seiner Persönlichkeit, aber auch seiner Schriftstellerei, sowie seiner großen Leidenschaft für die Schmetterlingskunde entstehen. »Ich habe versucht, die Welt durch die imaginären Augen eines Schmetterlings zu sehen«, schreibt der Autor in einem Brief. »Das bedeutet es, ein Schmetterling zu sein, ein unerschöpfliches Labyrinth der Ekstasen.«
Die Stationen der Ausstellung zeigen diese großen Leidenschaften, die Schmetterlingskunde und das Romanschreiben als zwei Flügel, die Nabokov durch ein äußerlich unstetes Leben trugen. Beide begleiteten ihn bis ins hohe Alter, beide sind nicht ohne einander zu denken. Eine Fülle von Dokumenten, darunter viele unbekannte Photographien, erzählen die Geschichte eines Lebens, das Nabokov selbst einmal »eine glückliche Heimatvertreibung« nannte, »die praktisch mit dem Tag der Geburt begann«.