25.11.00 - 21.1.01

Ausstellung

Thomas Mann

Buddenbroocks

Am 18. Juli 2000 war es genau hundert Jahre her, dass Thomas Mann (1875-1955) seinen Romanerstling »Buddenbrooks« abgeschlossen hat. Für die Geschichte vom »Verfall einer Familie« erhielt der Autor 1929 den Literaturnobelpreis. Anlass für das Buddenbrookhaus in Lübeck und das Literaturhaus München, den Jahrhundertroman und seinen Autor in einer ganz besonderen Ausstellung zu würdigen.

ZU GAST BEI FAMILIE BUDDENBROOK
»Daß ich Lübeck mit mir genommen habe, wohin ich und wie weit ich ging«, das hat Thomas Mann immer wieder betont. In keinem seiner anderen Romane liegen Wirklichkeit und Fiktion näher zusammen. In den »Buddenbrooks« hat er seiner Familie und seiner Stadt Lübeck ein Denkmal gesetzt.
In der Ausstellungsgalerie des Literaturhauses entsteht in Ansichten ein Stück Lübeck des 19. Jahrhunderts und wird den Schauplätzen und dem Personal des Romans gegenübergestellt. Das Lübeck, wie Thomas Mann es erlebte, wird in einer Dia-Show (Menschen, Stadtleben, Häuser, Straßen) sowie Fotos und Architekturzeichnungen vergegenwärtigt. Zentrales Schaustück ist das große Modell des historischen Buddenbrookhauses in der Mengstraße 4.
In einem Raum im Raum wird die Geschichte der Manns entfaltet: Dokumente und Originalobjekte aus dem Familienbesitz ergeben ein plastisches Bild der traditionsreichen Lübecker Kaufmannsfamilie. Ihm gegenübergestellt ist ein Szenario aus Romanhandlung und Romanfiguren sowie nur unschwer zu identifizierenden Schauplätzen.

DAS BUCH (1801-2000)
»Sie müssen kürzen«, riet der Verleger Samuel Fischer dem jungen Autor angesichts des mehr als 600 Seiten umfassenden Manuskripts. Vom Abschluss des Romans über den Literaturnobelpreis von 1929 bis in die Gegenwart war es ein langer Weg. Das Interesse der Leser ist ungebrochen. Von 1991 bis 1999 wurden immerhin noch 350.000 Exemplare verkauft. Kaum waren die »Buddenbrooks« erschienen, sah sich der junge Autor einem gewaltigen Medienecho ausgesetzt. Lübecker Bürger tauften das Haus in der Mengstraße 4 kurzerhand in »Buddenbrookhaus« um. 1923 wurde der erste Stummfilm gedreht, zwei weitere Verfilmungen sollten folgen.
Das Buch begründete Thomas Manns Weltruhm als Schriftsteller. Bis heute wurden die »Buddenbrooks« in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Es erschienen Hörspiele und mehrere Nachdichtungen. Die Familiensaga à la »Buddenbrooks« über mehrere Generationen hinweg stiftete eine eigenständige literarische Tradition.

DIE ENTSTEHUNG
1897 beginnt der 22jährige Thomas Mann in einer italienischen Pension mit den Aufzeichnungen. Von 1898 bis 1900 hat Thomas Mann in Schwabing in diversen Wohnungen an seinem Roman geschrieben und beendete ihn am 18. Juli 1900. Die räumliche Entfernung zu seiner Heimatstadt ermöglicht es dem jungen Autor, Lübeck vorbehaltlos zum Ort der Romanhandlung zu machen. Der Entstehungsort München schlägt sich in einer Reihe von Figuren und Schilderungen nieder.
Nicht wenige Lübecker Bürger finden sich in den »Buddenbrooks« als Romanfigur wieder; Entschlüsselungslisten kursieren in der Hansestadt und führen zu zum Teil polemischen Reaktionen der Betroffenen.
Autographen, Skizzen und Manuskripte Thomas Manns dokumentieren den Schreibprozess. Ausgewählte Handlungsorte, Romanfiguren und die Familienchronik der »Buddenbrooks« werden ihren historischen Vorbildern gegenübergestellt. Im Vergleich zwischen Roman und der historischen Wirklichkeit der Familie Mann in Lübeck wird deutlich, wie Thomas Mann seine Vorlagen subtil verfremdet und ironisiert.

DER ROMAN
»Buddenbrooks« ist die Geschichte vom Verfall einer Familie. Im dritten Ausstellungsabschnitt werden Romanhandlung, Romanfiguren und Schauplätze dargestellt. Synoptische Tafeln erläutern die Verfallsgeschichte. Die Steckbriefe dutzender Romanfiguren werden aufgelistet.

In der Ausstellung zu sehen und zu hören sind zahlreiche Dokumente der Romanentstehung und der turbulenten Publikations- und Wirkungsgeschichte. Historische Landkarten und Fotos stecken die Schauplätze der Romanhandlung ab. Auf den Hörinseln können sich die Besucher Ausschnitte aus dem Roman vorlesen lassen oder die dort beschriebene Musik anhören. Die Ausstellung stellt den Zusammenhang zwischen der realen Familien- und Stadtgeschichte und ihrer Gestaltung im Roman in den Mittelpunkt. Sie präsentiert ein Stück Lübeck des 19. Jahrhunderts und stellt dies den Schauplätzen, den Romanfiguren und der Handlung des Romans gegenüber.