Seelenverwandtschaften

Schriftstellerportraits der Sammlung Klewan

Die Begeisterung für die doppelte Lesbarkeit von Schriftstellerbildnissen, die auch die Passion des Künstlers für den Autor auf ganz persönliche Weise einfangen und dem Betrachter so eine zusätzliche Lesart des literarischen Werks liefern, hat den enthusiastischen Leser und manischen Bilder-Sammler Helmut Klewan dazu verführt, in den letzten Jahrzehnten weit über 100 Schriftstellerporträts zusammenzutragen. Sie stammen von Künstlern der Klassischen Moderne wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, André Masson oder Max Beckmann, Lovis Corinth und Felix Vallotton, aber auch von Zeitgenossen wie Günter Brus, Maria Lassnig oder Arnulf Rainer. Sie spiegeln die Auseinandersetzung einzelner Maler mit Werken ihnen persönlich unbekannter Autoren genauso wie mit der Persönlichkeit mit ihnen befreundeter literarischer Zeitgenossen. Von Picasso gibt es Porträts von Honore de Balzac und Arthur Rimbaud. Alberto Giacometti setzte sich mit Jean Genet und Arthur Rimbaud auseinander. Und Genet wiederum sagte über den italienischen Künstler: „Die Kunst Giacomettis scheint die verborgene Wunde eines jeden Wesens enthüllen zu wollen.“ Francis Bacon porträtierte Michel Leiris. Der surrealistische Maler André Masson fertigte ein Bildnis von André Breton an, der ihn 1924 für die Gruppe der Surrealisten gewonnen hatte. Günter Brus, Künstler des Wiener Aktionismus, bildete seine literarischen Kollegen der Wiener Gruppe, Oswald Wiener und Gerhard Rühm ab. Von Artmann bis Zweig, von Bataille bis de Sade, von Joyce bis Proust umfasst diese Sammlung Schriftstellerportäts der beiden letzten Jahrhunderte.

»Dass sich Helmut Klewan von einer solchen Menge Blätter vorübergehend getrennt hat, sieht man seiner Wohnung, worin sich diese Schätze üblicherweise befinden, gar nicht weiter an. Vielleicht dass er nun etwas entspannter schlafen kann, wenn sein gänzlich mit 40, 50 oder mehr Giacomettis tapeziertes Schlafzimmer eine kleine Lücke aufweisen sollte – zum Durchschauen auf einen reinen weißen Wandfleck. Vielleicht, dass er wieder einfacher den Durchgang zum Bad findet, ohne gleich die Geschichte des Surrealismus über den Haufen zu stürzen. Denn dieser manische Kunst-Kollektionist und Kunst-In-Umlauf-Bringer hat eine solche atemberaubende Menge zusammengetragen, dass man selbst darüber zu einem Dagobert Duck würde und immerzu wühlte in Bildern und Plastiken, den Picassos, Dubuffets, Kubins, Bacons, Corinths und Kokoschkas.«

Michael Skasa auf der Ausstellungseröffnung über Helmut Klewan und seine Sammlung