Neue Wege nach Ithaka

Eine Ausstellung über griechische Literatur des National Book Centre of Greece und des Literaturhauses München

Die Ausstellung »Neue Wege nach Ithaka« ist vor allem den Klassikern der griechischen Lyrik des 20. Jahrhunderts gewidmet: Konstantinos Kavafis, Giorgos Seferis, Andreas Embirikos, Jannis Ritsos und Odysseas Elytis.

»Im Grunde bin ich eine Frage des Lichts« – Giorgos Seferis als Fotograf
Eine Fotoausstellung der Kulturstiftung der Nationalbank von Griechenland (M.I.E.T.)
Giorgos Seferis‘ Bedürfnis, die Dinge scharf und klar zu sehen, ist vielleicht die wichtigste gestaltende Kraft hinter seinem Werk, vergleichbar mit seinem Verlangen „einfach zu reden“. Bis zum Ende bleibt für Seferis die Klarheit höchste Tugend und wertvollstes Gut.
Die Ausstellung zeigt Fotografien von den Reisen Seferis‘ nach Zypern und in den Mittleren Osten (1953-1955). Diese Aufnahmen stehen in direktem Zusammenhang mit den Tagebuchnotizen jener Jahre, während deren in dichter Reihe die Gedichte der Sammlung »Logbuch III« (1955) entstehen.
In seinen Fotografien folgt Seferis nicht der ästhetischen Anschauung, die sich im 20. Jahrhundert in Bezug auf die Fotografie entwickelt. Es geht ihm darum, ein Motiv pointiert und eingängig wiederzugeben. Als wolle er das kollektive Bewußtsein von trüben und ästhetisierenden Phantasiegebilden befreien und mit einer neuen Bildersprache ausstatten, interessiert ihn weniger der künstlerische Aspekt, die vage Suggestion oder die szenische Konstruktion – wenngleich nicht wenige seiner Fotografien unmittelbar der Welt seiner Dichtung entnommen scheinen.
Hinter der „klaren“ Fotografie Seferis‘ steht ein ganzes ästhetisches Programm – welches sein Analogon in dem Wunsch des Dichters hat, „einfach zu reden“, und auf jenes kollektive Ethos zielt, nach dem er sich in seinen Gedichten zurücksehnt.
Seferis Ziel ist es, die dichterische Sprache von der Vagheit und Undeutlichkeit, an welcher sie seiner Meinung nach krankt, zu heilen und letztendlich eine „poetische Gemeinsprache“ zu schaffen. Die Bilder von Giorgos Seferis wirken auf unsere Phantasie mit der gleichen unaufdringlichen Überzeugungskraft, wie es seine Gedichte tun.

»100 Jahre Embirikos« – Andreas Embirikos als Fotograf
Fotoausstellung aus dem Archiv von Vivika und Leonidas Embirikos.
Einen anderen Blick, den des Surrealisten und Psychoanalytikers Andreas Embirikos, präsentieren seine Fotografien. Andreas Embirikos beschäftigte sich intensiv mit der Kunst der Fotografie. Seine Bilder zeigen Details des menschlichen Alltags, Selbstportraits und Landschaften. Außerdem porträtierte Embirikos kleine Mädchen mit der gleichen Hingabe wie der englische Schriftsteller und Fotograf Lewis Carroll (1832 – 1898) oder der französische Künstler Balthus (1908 – 2000).

Die Klassiker der Lyrik
Bilder und Dokumente
Bertolt Brecht empfahl oft und gerne einen griechischen Lyriker als Geheimtipp seinen Freunden: Konstantinos Kavafis (1863 – 1933). Die Reihe der Bewunderer der hohen Kunst Kavafis reicht über Marguerite Yourcenar bis zu Durs Grünbein. Kavafis gilt als Begründer der modernen griechischen Poesie.
Giorgos Seferis (1900 – 1971), dem 1963 der Nobelpreis verliehen wurde, wuchs in Smyrna/Izmir auf. Er beschreitet als erster den Weg zur literarischen Moderne und versucht die kulturellen Erfahrungen Europas in Griechenland durchzusetzen. Gleichzeitig verbindet er die Symbolwelt des antiken Mythos mit den Problemen und dem Schicksal Griechenlands.
Andreas Embirikos (1901 – 1975), im rumänischen Braila geboren, machte in Paris die Bekanntschaft berühmter Surrealisten. Er brachte deren Ideen nach Griechenland und beeinflußte eine ganze Generation von Dichtern.
Jannis Ritsos (1909 – 1990), weltweit von Kollegen, Kritikern und Lesern gefeiert, verbrachte als Dichter und Kommunist viele Jahre seines Lebens auf Verbannungsinseln, in Gefängnissen und Lagern. Seine von Mikis Theodorakis vertonten Verse haben ihm auch über die Grenzen Griechenlands hinaus zu großer Popularität verholfen.
Odysseas Elytis (1911 – 1996), der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1979, überrascht mit seinen vom Surrealismus beeinflußten Gedichten, einer hellen, optimistischen Poesie, in der die Ägäis den Mittelpunkt bildet. Er bedient sich der langen Tradition der griechischen Literatur, von Homer bis Solomós. Es gelingt ihm mit seinem Hauptwerk, die symbolistische und surrealistische Moderne Westeuropas zu einer Kunst des hohen dichterischen Pathos zu vereinen, wie es innerhalb Europas wohl so nur in Griechenland möglich war.