Max Frisch

Jetzt ist Sehenszeit

Auf Anregung des Literaturhauses konzipierte das Max Frisch-Archiv in Zürich die Ausstellung »Max Frisch: Jetzt ist Sehenszeit«. Die Ausstellungsmacher Julian Schütt (Konzept) und Daniel Simmen (Gestaltung) legen den Schwerpunkt der Werkschau auf die frühe und mittlere Schaffensphase Max Frischs und vergegenwärtigen die Durchbruchsjahre vom »Tagebuch 1946-49« über die Romane »Stiller« und »Homo faber« bis zum Theaterstück »Andorra«.
Kein deutschsprachiger Autor, der die Zeit des Nationalsozialismus ohne Emigration überstand, ging mit gleicher Insistenz der Frage nach, wie sich nach dem Krieg eine aus jedem »erlebbaren Verhältnis« entbundene Wirklichkeit noch darstellen ließ. Frischs Texte erproben einen synoptischen Blick, der »vieles zusammensieht« und sich „angenehme Selbsttäuschungen“ nicht mehr vergibt.
Das erste Nachkriegsjahrzehnt ist für Frischs Werdegang von zentraler Bedeutung. Damals mußte das Terrain einer demokratischen Kultur in Europa neu definiert werden. Das politische Dissensbewußtsein wurde fast ausschließlich von Künstlern und Intellektuellen formuliert – allen voran Max Frisch. An seiner Person und seinen Texten lassen sich politische und kulturelle Entwicklungen der Nachkriegsjahre exemplarisch darstellen.
Diese erste größere Max Frisch-Ausstellung arbeitet mit modernen Medien, wobei die ursprünglichen Schrift- und Bildelemente ergänzt und nicht überlagert werden. Zu sehen sind zwölf Themeninseln, die ein großes Kontingent an unveröffentlichtem Material bereithalten, aktuelle Bezugspunkte herstellen und den Besucher mit seiner individuellen Leseerfahrung herausfordern. Zur Ausstellung erscheint im Suhrkamp Verlag ein Begleitbuch von Julian Schütt: »Jetzt ist Sehenszeit«.