James Nachtwey. Kriegsfotograf

Fotos von 1990 - 2003

James Nachtwey ist der berühmteste Kriegsfotograf unserer Zeit. Seit fast 20 Jahren fotografiert er in Krisengebieten dieser Welt, ist überall dort, wo Krieg und Armut wüten, wo Menschen leiden und gewaltsam sterben. Dabei entstanden Bilder von apokalyptischem Leiden, archaischem Hass, kollektivem Blutrausch.

James Nachtwey wurde 1948 im US-Bundesstaat Massachusetts geboren, studierte Kunstgeschichte und Politikwissenschaften. Nach diversen Jobs begann er 1976 als Lokalfotograf in Neu Mexiko zu arbeiten, ab 1980 als freier Fotograf in New York. Von 1986 bis 2001 war James Nachtwey Mitglied der Foto-Agentur MAGNUM. Sein Werk ist vielfach ausgestellt und ausgezeichnet worden. Nachtwey erhielt fünfmal die Robert Capa Medaille und war sechsmal Magazin-Fotograf des Jahres in den USA. Im Mai erhält James Nachtwey in Tel Aviv den hochdotierten Dan David Prize, der jährlich für überragende humanitäre Leistungen verliehen wird.

1981 fuhr Nachtwey nach Nordirland, um die dortigen Unruhen festzuhalten. Seither hat er in den achtziger Jahren vor allem in den lateinamerikanischen Bürgerkriegen fotografiert, hat den Nahost-Konflikt im Libanon, in Israel und den besetzten Gebieten porträtiert, hat sich auf den Kriegsschauplätzen Afrikas aufgehalten. Viele Monate verbrachte er in Südafrika, um das Ende der Apartheid zu dokumentieren. Immer wieder zog es ihn zu den Konflikten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, nach Bosnien, Rumänien, Tschetschenien. Bei verschiedenen Besuchen in Afghanistan entstand 1996 eine große Bilddokumentation des dortigen Krieges.

»Was ich festhalte wird Teil des ewigen Archivs unseres kollektiven Gedächtnisses sein. Und ich weiß, dass Fotos Verantwortliche zum Handeln zwingen können. Ohne die Bilder von Bürgerkrieg und Hunger in Somalia wäre niemand dort eingeschritten. Ohne die Fotos aus Bosnien wäre der Krieg vielleicht noch immer nicht beendet.«

James Nachtwey

Nach der Bibliothèque national de France widmet das Literaturhaus München James Nachtwey eine große Werkschau mit 15o Farb- und Schwarzweißfotografien von 12 Kriegs- und Bürgerkriegsschauplätzen aus den Jahren 1990 bis 2003. Zu sehen sind Fotos aus Afghanistan (1996/2001), aus dem Konflikt zwischen Israel und Palästina (2000-2002), aus dem Balkan (1993-1999), aus Bosnien (1993), aus dem Kosovo (1999), Tschetschenien (1995), Ruanda (1994), Indonesien (1998-1999), Osteuropa (1990), Rumänien (1990) und Südafrika (1992). Am 11. September 2001 hielt sich James Nachtwey zufällig für einen Tag in New York auf. Von seinem Fenster aus beobachtete er den Zusammenbruch des World Trade Center, der ihn sofort auf die Straße trieb. Zufall, Schicksal, Glück im Unglück?

Im jetzigen Irak-Krieg hat er sich gegen die offizielle US-Bagatellisierungsstrategie der realistischen Kriegsfotografie des „embedded journalisms“ entschieden. Seit Mitte März arbeitet er im Auftrag des TIME Magazine in Bagdad.

Podiumsdiskussion »Reporter im Visier« als Finissage zur Ausstellung.

In der Ausstellung ist auch der Dokumentarfilm »war photographer« des Schweizer Autors, Regisseurs und Produzenten Christian Frei zu sehen. Frei folgte Nachtwey während zweier Jahre in die Krisengebiete in Indonesien, Kosovo, Palästina und benutzte dabei spezielle Mikrokameras, die am Fotoapparat von Nachtwey befestigt wurden. Wir sehen wie ein berühmter Fotograf den »Augenblick der Wahrheit« sucht. Wir hören jeden Atemzug. Der Zuschauer wird zum unmittelbaren Zeugen der Suche nach einem Kriegsbild.