Ich bin der letzte Mohikaner

Joachim Kaiser, Kritiker, Jahrgang 28

Ostpreuße von Geburt, Adorno-Schüler aus Überzeugung und Kritiker aus Leidenschaft. Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Kolumnist der Bunten, Hochschul-Professor und Volkshochschul-Dozent. Akademie-Mitglied, Börne-Preis- und Verdienstkreuzträger und der »letzte Mohikaner« seiner Zunft. Die erkennende Leidenschaft ist das Betriebsgeheimnis eines schöpferischen Geistes, zu dessen anthropologischen Grundkonstanten unablässige Produktivität und beredter Bildungsfuror gehören. J.K. ist das Kürzel für eine ständig auf Hochtouren arbeitende Denk- und Empfindungsfabrik, die lustvoll Anleitungen herausgibt für eine kritische, emphatische Zeitgenossenschaft.

Die Ausstellung versucht Leben und Werk des Musik-, Literatur- und Theaterkritikers an den Stromkreis seiner intellektuellen Epoche anzuschließen. Im Zentrum steht sein bisher unveröffentlichter Briefwechsel mit den Dichtern, Richtern und Verlegern seiner Generation. In »Denkräumen« werden die Grundfragen des kritischen Feuilletons durchgespielt: die Frage nach der Gegenöffentlichkeit, nach der Sprache der Kritik in den Aufbaujahren der Bundesrepublik, nach Sachautorität, guter Feindschaft und branchenüblicher Eitelkeit.