Fleißers Ingolstadt

Eine literarische Topographie

Als »Pariser Nachbarschaftshilfe unter spätberufenen Tiefseefischen« untertitelte die FAZ im Oktober 1998 einen Bericht über die aufsehenerregende Inszenierung des »Tiefseefischs« von Marieluise Fleißer am Pariser Colline-Theater. Die Regisseurin Bérangère Bonvoisin, die seit 1987 immer wieder Fleißer-Stücke in Frankreich inszeniert, gehört zu den besten Kennern ihres Werkes. Nicht zuletzt ihrem Engagement ist es zu verdanken, daß die Dichterin aus Ingolstadt eine kleine Renaissance erlebt.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Ingolstädter Stadtmuseum entstanden ist, setzt zwei Schwerpunkte. Die Fotos von Helmut Bauer führen zu den Originalschauplätzen ihrer in Ingolstadt spielenden Dramen und bieten Einblicke in die Lebensumstände der Dichterin, die 1901 in Ingolstadt geboren wurde und nach wechselhaften Jahren in Berlin 1932 in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war und dort bis zu ihrem Tode 1974 lebte. Die Spuren der Fleißer in der Stadt werden im wechselhaften Bezug zwischen Bildern und Textauszügen verdeutlicht.
Zudem akzentuiert die Ausstellung den »München-Bezug« der Fleißer. Hier hat sie in den zwanziger Jahren studiert und Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht kennengelernt, die als Mentoren und Wegbegleiter schicksalshaft ihren Werdegang beeinflussen sollten. Originale aus dem Nachlaß veranschaulichen die Bedeutung dieser Begegnungen, die in der Erzählung »Avantgarde« (1962) ihren literarischen Niederschlag fanden.