Einst stand ich zu Ihrer Stadt in intimer Beziehung

Hermann Hesse und München

Ausstellungsplakat © Hermann Hesse-Editionsarchiv / Volker Michels, Gestaltung: unodue{ münchen

Hermann Hesse und Calw? Ja. Hermann Hesse und Montagnola? Auch klar. Aber Hermann Hesse und München? Fehlanzeige – das aber ganz zu Unrecht. Denn Hesse stand, wie er im Rückblick schreibt, zu München »in intimer Beziehung« als Mitarbeiter des »Simplicissimus« und als Herausgeber der Zeitschrift »März«. Mitherausgeber war kein anderer als Ludwig Thoma, der zusammen mit dem Verleger Albert Langen die treibende Kraft beim »Simpl« und beim »März« war. Viele der Zeichner und Schreiber des »Simplicissimus«, insbesondere Olaf Gulbransson und Rudolf Sieck, gehörten bald zum engeren Freundes- und Bekanntenkreis von Hermann Hesse.
Hesse bezeichnet die Jahre von 1904 bis 1914 als die Phase seiner Politisierung, und die Nähe zu den beiden Zeitschriften und ihren Machern zeigt dies eindringlich. Es ist auch die Zeit, in der Hesse in Gaienhofen, weit ab von allem, lebt, und von wo er immer wieder ausbricht, »um wieder mal ein flottes Stück Leben um mich brausen zu hören«. Und es ist die große Zeit Münchens als die Metropole der Künste und der Literatur, so dass Hesse immer wieder überlegt, ob er nicht in München Wohnung nehmen soll.

 

»Lieber Herr Thoma! Ihr Vöst macht mich und meine Frau glücklich. Hoffentlich sieht man Sie einmal am See, damit ich mich für Ihre Hasen mit einem Teller Gangfische revanchieren kann.«

Hermann Hesse an Ludwig Thoma, 26.11.1905

»Lieber Herr Hesse! Ich bin Ihnen noch Dank schuldig für die schöne Fotografie; an der Verspätung sind die Rehböcke schuld, denen ich nachlaufen mußte …«

Ludwig Thoma an Hermann Hesse, 1.6.1906