Ein Licht mir aufgegangen

Lev Tolstoj und Deutschland

Der Todestag Tolstojs jährt sich am 20.11.2010 zum 100sten Mal. Nicht nur in Russland werden Leben und Werk Tolstojs wieder neu aufgearbeitet, insbesondere in Deutschland werden seine großen Werke wie »Anna Karenina« und »Krieg und Frieden« neu übersetzt. Die Ausstellung des Literaturhauses München dokumentiert Lev Tolstojs 82jähriges Leben, seine Arbeit, seine Wandlungen und Widersprüche. Ein Schwerpunkt ist die bisher nur wenig beleuchtete Beziehung Tolstojs zu Deutschland, die mit dem deutschen Hauslehrer beginnt, sich fortsetzt mit seiner deutschstämmigen Frau Sofija, mit seiner Liebe zur deutschen Musik, Philosophie, Literatur und Pädagogik, mit zwei Reisen nach Deutschland, seinem Briefwechsel mit deutschen Lesern und nicht zuletzt mit der ungeheuren Verehrung, die er bei deutschen Schriftstellern auslöste. Rilke besuchte Tolstoj zweimal auf seinem Landgut Jasnaja Poljana, Thomas Mann, Stefan Zweig und viele andere verehrten ihn.
In Texten und Bildern, in zahlreichen bisher in Deutschland nicht gezeigten Reproduktionen von Familienfotos, privaten Objekten, Tagebuchblättern und Briefen, in Film- und Audiodokumenten folgt die Münchner Ausstellung Tolstojs deutschen Lebens- und Werkspuren. Im gewaltigen Kontext des Oeuvres von Lev Tolstoj konzentriert sie sich auf einen thematischen Einzelaspekt – an diesem aber kann die innere Logik, die Energie, die Dynamik von Tolstojs mächtigem Lebenskunstwerk erkennbar werden.