Die Kinder der Manns

Ansichten einer Familie

Nie war das Interesse an Thomas Mann und den Seinen größer als heute, und es gibt – wie diese Ausstellung eindrucksvoll zeigt – noch immer viel Neues zu entdecken. Erstmals widmet sich eine Ausstellung allen sechs Kindern von Thomas und Katia Mann: von den ältesten, Erika und Klaus, über die mittleren, Golo und Monika, bis hin zu den Nachzüglern Michael und Elisabeth Mann.

»Jemand wie ich sollte selbstverständlich keine Kinder in die Welt setzen.« (Thomas Mann)

»Die Kinder der Manns« dokumentiert eine außergewöhnliche Familiengeschichte und präsentiert zugleich ein Panorama des 20. Jahrhunderts. Die zeitliche Spanne reicht von den Anfängen der gemeinsam in München verbrachten Kindheit über die »wilden« Jahre der Weimarer Republik, die Zeit der Emigration ab 1933 und die schwierige Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die jüngste Vergangenheit.

Ausnahmeerscheinungen waren sie alle. In kaum einer Familie finden sich so viele künstlerische Talente versammelt. Jedes der sechs Kinder wurde früher oder später schriftstellerisch tätig. Sie erlebten eine privilegierte Kindheit und profitierten vom Ruhm des Vaters. Aber sie litten auch unter seiner strengen Arbeitsdisziplin und mussten sich gegen das übermächtige Vorbild behaupten.

»Also, dass ich dem Elternhaus unendlich viele Anregungen verdanke, liegt auf der Hand. Ich würde dennoch sagen: Wenn ich als Neugeborener in der Klinik verwechselt worden wäre und wäre in einem normalen, gesunden, schlichten Bürgerhaus aufgewachsen, dann, glaube ich, wäre etwas Besseres aus mir geworden, als tatsächlich aus mir geworden ist. Das glaube ich in der Tat«.

So kommentiert Golo Mann das zwiespältige Verhältnis zu den übermächtigen Eltern.

Klaus Mann trat mit seinem literarischen Werk als Erster aus dem Schatten des berühmten Vaters.
Dem zweiten Sohn Golo ist dies erst später gelungen. Er wurde einer der bekanntesten Historiker seiner Zeit. Vornehmlich als Autorin und Feuilletonistin bekannt, gab Erika Mann die Werke Klaus und die Briefe Thomas Manns heraus. Sie erlebte eine erstaunliche Karriere als Schauspielerin, bevor sie schriftstellerisch tätig wurde und das legendäre politische Kabarett »Die Pfeffermühle« gründete.
Elisabeth Mann-Borgese erwarb sich einen internationalen Ruf als Meeresforscherin. Fernsehauftritte als Kommentatorin der Familiengeschichte verhalfen ihr zu einer großen Popularität in Deutschland.
Michael Mann war zunächst Musiker, bevor er eine zweite Karriere als Germanistikprofessor einschlug.
Wie seine oft im Schatten der älteren Geschwister stehende Schwester Monika Mann, ihrerseits Verfasserin von Romanen, Feuilletons und Gedichten, ist Michael Mann in der Ausstellung als Schriftsteller zu entdecken.
Der Familie seines jüngsten Sohnes war Thomas Mann, trotz einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung, auf besondere Weise zugetan: Den erstgeborenen Sohn Michaels, Frido, schlossen Katia und Thomas Mann innig ins Herz. Frido Mann hat für die Ausstellung die Schirmherrschaft übernommen und dem dazu erschienenen Buch ein Geleitwort vorangestellt.

Auch die Dunkelzonen der Mann-Saga werden beleuchtet, mitsamt allen unterschwelligen Rivalitäten und Obsessionen. Vor allem aus den weitgehend unbekannten Briefwechseln der Geschwister untereinander, aus den Tagebüchern Klaus Manns und den Nachlässen von Elisabeth Mann-Borgese, Michael und Monika Mann werden viele neue Details erschlossen.

So ist die Ausstellung »Die Kinder der Manns« mehr als eine reine Literaturausstellung. Die Geschichte der Familie wird präsentiert in inszenierten Räumen, Atmosphäre und Besonderheit der unterschiedlichen Epochen werden durch spezielle Bauten und ausgewählte Realien veranschaulicht. Dem Besucher wird auf eindrucksvolle Weise der Weg durch ein ganzes Jahrhundert ermöglicht – mit Hilfe von visuellen und audiovisuellen Techniken.

Buch zur Ausstellung: Uwe Naumann in Zusammenarbeit mit Astrid Roffmann (Hrsg.): »Die Kinder der Manns«. Ein Familienalbum, Rowohlt Verlag

Führungen für Gruppen und Schulklassen
Informationen unter Tel 089-29 19 34-25

Eine Ausstellung des Literaturhauses München, der Monacensia München und des Buddenbrookhauses Lübeck. In Kooperation mit dem Rowohlt Verlag, dem Schweizerischen Literaturarchiv in Bern und dem Thomas- Mann-Archiv der ETH Zürich.
Kuratoren: Uwe Naumann und Astrid Roffmann
Gestaltung: unodue{ Costanza Puglisi und Florian Wenz