Alles möchte ich immer

Franziska Gräfin zu Reventlow 1871-1918

Sie war eine der schillerndsten Figuren ihrer Zeit und fügte sich nicht den Konventionen: Franziska Gräfin zu Reventlow. Jetzt beleuchtet erstmals eine große und aufwändig inszenierte werkbiografische Schau ihr Leben.

Ausstellungsplakat Foto: Franziska zu Reventlow, Atelier Therese · © Literaturarchiv Marbach / Gestaltung: unodue{

»Alles möchte ich immer« – die Schattenseiten dieses Anspruchs waren Krankheit, der beständige Kampf gegen materielle Not und zeitweilige Depressionen, die sich mit dem Schaffensrausch der Künstlerin und dem kämpferischem Optimismus der Mutter, die für ihr uneheliches Kind sorgte, abwechselten. Nicht ihre Bilder als Kunstwerke waren es, die die Zeitgenossen in ihren Bann zogen, es war Franziska zu Reventlow selbst – die Lebenskünstlerin, unangepasst und willensstark, anmutig und liebesbegabt, ausgezeichnet mit allen Voraussetzungen einer Kultfigur, nicht zuletzt der, als Projektionsfläche männlichen Staunens und Begehrens dienen zu können. Bleibenden Ausdruck fanden Produktivität und Kreativität Franziska zu Reventlows, die sich nie als Schriftstellerin sehen wollte, dann ironischerweise in der Literatur, in Romanen, Skizzen und Essays.

Die Ausstellung ist biografisch ausgerichtet und gliedert sich in die vier großen, relevanten Lebensstationen – Husum, Lübeck, München und Ascona. Veranschaulicht werden die prägenden Erfahrungen der Gräfin anhand von meist neu entdeckten Quellen: eigenen bildkünstlerischen und literarischen Werken, Fotografien, Briefen, Büchern, amtlichen Dokumenten und anderen größtenteils bisher unveröffentlichten Exponaten.

In München, damals die führende Kunststadt Deutschlands, lernte die junge Frau die Bohème als Lebensmodell kennen. Selbstbestimmtes Leben und Existenzkampf kennzeichnen diese Jahre. Fanny zu Reventlow arbeitete als Übersetzerin und Mitarbeiterin am Simplicissimus, sie besuchte verschiedene Malschulen und versuchte durch kunstgewerbliche Arbeiten, den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn zu bestreiten.

Das Buddenbrookhaus in Lübeck, die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel, der Museumsverbund Nordfriesland (Schloss vor Husum) und das Literaturhaus München haben sich zusammengetan, um dieses Ausstellungsprojekt zu realisieren. Die Kooperation verdeutlicht starke regionale Bezüge und zugleich die landes- und bundesweite Bedeutung dieser erstmaligen, umfassenden werkbiografische Ausstellung.

IM RADIO:
In der Sendung »radioTexte« (Bayern 2) liest Nico Holonics (Münchner Kammerspiele) an drei Samstagen (29.10., 5. und 12.11.) jeweils von 21.03 bis 22 Uhr aus »Herrn Dames Aufzeichnungen«.

AUSSERDEM:
Am 18. November 2011 feierte die Produktion »Der Geldkomplex« nach Motiven von Franziska Gräfin zu Reventlow Premiere im Marstall.