Oskar Maria Graf–Denkmal von Jenny Holzer

Die New Yorker Künstlerin Jenny Holzer hat im Auftrag der Landeshauptstadt München und des Kulturbaufonds München ein Denkmal für den Schriftsteller Oskar Maria Graf geschaffen. Als Standort wurde das Kaffeehaus im Literaturhaus am Salvatorplatz gewählt, das seit 2007 sogar den Namen des berühmten Hausheiligen angenommen hat: »OskarMaria«.

Tisch (c) Lissy Mitterwallner

»Herrgott, heut ist ja ganz München da... Da wär‘ doch was zu machen!«

Jenny Holzer legte ihrer Arbeit Texte aus dem Werk Grafs zugrunde. Sie sind beweglich und unbeweglich in die Architektur und die Nutzgegenstände des Kaffeehauses sowie in den Platz vor dem Haus integriert.

Sätze von Oskar Maria Graf erscheinen – auf dem Geschirr, den Papiersets und den Bierdeckeln, auf den Rückenlehnen der Lederbänke im Kaffeehaus, der elektronischen Schriftsäule über der Bar und auf den zwei Granittischen auf der Terrasse.

»Hingabe, Hingabe bis ins Letzte!«

Das Denkmal wurde am 5. Juni 1997 der Öffentlichkeit übergeben.

Elektronische SchriftsäuleOskar Maria Graf wurde 1894 als siebtes von acht Kindern einer Bauerntochter und eines Bäckers in Berg am Starnberger See geboren. Mit siebzehn lief er von Zuhause fort, schlug sich in München als Gelegenheitsarbeiter durch und fand Anschluss an Schwabinger Bohèmekreise. 1918/19 erlebte er die Münchner Revolution und Räterepublik. In den 20er Jahren gelang ihm mit seinem Bekenntnisbuch »Wir sind Gefangene« der literarische Durchbruch. 1933 emigrierte er nach Wien, wo er mit »Verbrennt mich!« seinen Protest gegen Nazi-Deutschland veröffentlichte.

Ab 1934 lebte Graf im tschechischen Brünn und ab 1938 in New York, wo er 1967 starb. Zu Oskar Maria Grafs berühmtesten Werken gehören die im Exil entstandenen Romane »Das Leben meiner Mutter«, »Der Abgrund« und »Unruhe um einen Friedfertigen«.

Jenny Holzer wurde 1950 in Gallipolis/Ohio geboren. Sie lebt und arbeitet in New York.

Oskar Maria Graf und sie hätten sich in New York oder in der amerikanischen Provinz begegnen können. Sie: ein eigensinniges Mädchen, das sich für Kunst interessierte. Er: ein alternder, von über 30jährigem Exil gezeichneter Mann, ein besessener Schriftsteller bis zum Tod. Doch begegnet sind sie sich erst in München, 30 Jahre nach dem Tod des Dichters, als Jenny Holzer das Denkmal für das Literaturhaus München konzipierte.

Die radikale Menschlichkeit von Grafs Figuren ließ Jenny Holzer über eine Form nachdenken, die der Vorstellung von einem »Denkmal« grundsätzlich widerspricht: nicht der Dichter wird abgebildet, sondern seine Worte. Die Künstlerin gab Oskar Maria Grafs Sätzen eine besondere Form: unkommentiert stehen sie im öffentlichen Raum des Kaffehauses. Der Besucher lebt so – bewusst oder unbewusst – mit diesen Sätzen und mit dem, der sie ursprünglich schuf: Oskar Maria Graf.

 

Das Geschirr

Das Geschirr, das von Villeroy & Boch exklusiv für das Literaturhaus hergestellt wird, kann direkt im Kaffeehaus gekauft werden, der Erlös aus dem Verkauf dient dem Erhalt des Denkmals.
Erkundigen Sie sich direkt in der Brasserie »OskarMaria« oder fragen Sie das Kassenpersonal in der Galerie des Literaturhauses.

  1. Tasse:
    Mehr Erotik bitte
    11.- Euro
  2. Untertasse:
    Mehr Sexualität, die Herrschaften!
    9.- Euro
  3. Suppentasse:
    Hingabe, Hingabe bis ins Letzte!
    14.- Euro
    Alle 3 Zitate aus: Gelächter von außen, S. 297 und S. 180
  4. Teller flach, Ø 21 cm:
    Es muss doch jetzt schon bald wahr sein, dass ich berühmt bin.
    13.- Euro
    Aus: Meine innere Einstellung, in: Jugend, 32. Jg., 1927, Nr. 25
  5. Teller tief, Ø 23 cm:
    Niemand kann allein sein.

    19.- Euro
    Titel einer Erzählung, aus: Kalendergeschichten II, S. 92
  6. Teller flach, Ø 27 cm:
    Man erzählte mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames!
    Es gibt in der Welt nichts – o wie sie sich davor fürchten! –, was einen ordentlichen Ablauf hat.
    19.- Euro
    Aus: Gegen den Dichter von heute, zitiert nach Wilfried F. Schoeller, Odysse eines Einzelgängers, Frankfurt a.M., Wien 1994, S.140
  7. Teller flach, Ø 29 cm:
    Es kommt mir nämlich, nach all dem Schrecklichen, das wir durchleben mussten, wertlos vor, wenn wir Schriftsteller einander nicht die Wahrheit sagen.
    20.- Euro
    Aus: Brief an Walter Jens vom 16.1.1964, in: Bauer/Pfanner, Oskar Maria Graf in seinen Briefen, München 1984, S. 320
  8. Teller tief, Ø 29 cm:
    Friß nur! Mensch, friß und sauf! Wir hängen sowieso schon halb am Galgen.
    24.- Euro
    Aus: Wir sind Gefangene, S. 35

Geschirr (c) Lissy Mitterwallner