Fr 19.6.20 // 17 Uhr // per Videokonferenz
OFFENE WERKSTÄTTEN ONLINE

Kleine Geschichten in der großen Geschichte

Mit Pierre Jarawan (Teil 2)

GESCHICHTE(N) ERZÄHLEN

»Vertrauen Sie mir, es wird Zeit brauchen, aber es gibt hier auch Ordnung; sehr schwach, sehr menschlich.«

Michael Ondaatje »In  der Haut eines Löwen«, dtv 1993

In unserem Online-Seminar möchten wir uns im Kern der Frage widmen, wie sich eine fiktive Geschichte vor dem Hintergrund realer historischer Ereignisse erzählen lässt. Die »Ilias« und der Krieg um Troja, Napoleons Angriff auf Russland in Tolstois »Krieg und Frieden« oder der Zusammenbruch der DDR in Lutz Seilers »Kruso« – der Bund zwischen Literatur und Geschichte ist bedeutend und sehr gegenwärtig. Was passiert, wenn über die Historie geschwiegen wird? Dieser Frage widme ich mich in meinem aktuellen Roman »Ein Lied für die Vermissten«.

Michael Ondaatje schreibt weiter in seinem Roman »In der Haut eines Löwen«:

»Offizielle Geschichten, Zeitungsmeldungen überfluten uns täglich, doch die Ereignisse der Kunst erreichen uns viel zu spät, sie reisen träge wie die Botschaften der Flaschenpost.«

Das stimmt — und auch nicht. Denn auch, indem wir von Vergangenem – und damit ›zu spät‹ erzählen, können wir etwas über die Gegenwart sagen.

Wir treffen uns insgesamt vier Mal online, um gemeinsam über das Erzählen von Geschichte(n) und Schreibtechniken zu sprechen, und diese mit Übungen anzuwenden. Wir schauen uns auch einzelne Texte an, sehen, wie diese gemacht sind, und wir wollen anhand bestimmter historischer Ereignisse der jüngeren Vergangenheit Möglichkeiten des Erzählens erörtern.

  1. TEIL (FR 24.4.): GESCHICHTE ALS KATALYSATOR – Wie können wir uns historische Ereignisse für das Erzählen zunutze machen? Was sind Vorteile, was Schwierigkeiten?
  2. TEIL (FR 8.5.): STRUKTUR – Wie erzählen wir etwas, dessen Verlauf bereits bekannt ist?
  3. TEIL (FR 15.5.): FIGUREN LEBENDIG, SZENEN ERLEBBAR MACHEN – Wie beeinflusst das historische Ereignis unsere Figuren? Wie schaffen wir Identifikation, wie erzeugen wir Atmosphäre?
  4. TEIL (FR 22.5.): DIE MACHT DES ERZÄHLERS – Die Zeitzeugin, der Nachkomme, etc. – wer erzählt, und von welchem Standpunkt aus?FORTSETZUNG (2. Teil)
  5. TEIL (FR 19.6.): DIE RECHERCHE: Quellen finden und nutzen – und die Kunst des Weglassens.
  6. TEIL (FR 3.7.): SZENEN UND KAPITEL SCHREIBEN – und die Bedeutung der ersten 5 Seiten.
  7. TEIL (FR 17.7.): HINDERNISSE ÜBERWINDEN: vom ersten Entwurf zum fertigen Text – die Bedeutung des Überarbeitens.

LEKTÜREEMPFEHLUNG: Pierre Jarawan »Ein Lied für die Vermissten« (Berlin Verlag 2020).

Pierre Jarawan (© Marvin Ruppert)

PIERRE JARAWAN wurde in Jordanien geboren und kam als Kind nach München. Er war ein erfolgreicher und mit Preisen ausgezeichneter Spoken Word Künstler, ehe er 2016 seinen ersten Roman »Am Ende bleiben die Zedern« schrieb, der ein internationaler Bestseller wurde. In diesem Frühjahr erschien »Ein Lied für die Vermissten«, welches wir am 2. März bei uns im Literaturhaus vorgestellt haben. Er ist ein erfahrener Moderator und hat am Literaturhaus verschiedene Workshops und Seminare geleitet, unter anderem für heimische und geflüchtete Jugendliche.