Führung & Werkstatt zur Christoph Niemann-Ausstellung

»Der wahre Zauber findet nicht auf dem Papier statt, sondern entsteht im Kopf des Betrachters« (Christoph Niemann)

Christoph Niemann ist nicht nur einer der bekanntesten Illustratoren, Grafiker & Visual Storyteller, er vermag es auch auf einzigartige Weise, uns an seinem kreativen Schaffensprozess teilhaben zu lassen.

Dominik Wendland & Lisa Frühbeis © Alke Müller-Wendlandt

Es ist also nur folgerichtig, dass begleitend zur aktuellen Ausstellung (CHRISTOPH NIEMANN. IM AUGE DES BETRACHTERS, 15.11. bis 5.5.2019), nicht nur Führungen angeboten werden, sondern in Werkstätten das Spiel mit Sprache geübt wird – natürlich unter fachkundiger Leitung.

Dieses Angebot gilt für Lehrer*innen, die mit ihren Schülern trainieren, Bilder zu interpretieren und ihre Sprache und ihren Aufbau zu verstehen.

Aber auch in den OFFENEN WERKSTÄTTEN können Besucher jeden Alters diese Visual Literacy trainieren, gekoppelt mit einer (Ein)-Führung durch die Ausstellung.

Lisa Frühbeis über die Sorgen & Nöte kreativer Köpfe © Alke Müller-Wendlandt

Die Illustrator*innen Lisa Frühbeis & Dominik Wendland, selbst bekennende Niemann-Fans, führten am vergangenen Wochenende erstmals durch die Ausstellung, erläuterten Niemanns Vorgehensweise, sprachen über Symbolssysteme, den richtigen Abstaktionsgrad, die Vokabeln und Anwendungen von Visual Grammar.
In der Führung wurde der Blick geschult für Christoph Niemanns meisterhaftes Verständnis von Bild und Sprache.
Die Teilnehmer: 10-70 Jahre.
Die Neugierde: groß.

Symbol des VERLIEBTSEINS. Welcher Abstraktionsgrad ist der richtige? Das blutige menschliche Herz erinnert zumindest eher an einen Jagdunfall …

Im Anschluss an die Führung traf man sich am großen Werktisch in der Ausstellung, um – bewaffnet mit Stift und Papier – unter Anleitung das Gesehene anzuwenden.

© Alke Müller-Wendlandt

Als Aufwärmübung diente dabei eine vom Surrealismus angeregte Gemeinschaftsübung: le Cadavre Exquis. Ein Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, auf einen vorgegebenen Satz eine entsprechende Zeichnung folgen zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann. Auf die entstandenen Zeichnung folgt wieder ein Satz etc.

Funktioniert das auch? © Alke Müller-Wendlandt

Die Diskrepanz zwischen geschriebener und gezeichneter Sprache zeigt, wie ein kleines Missverständnis sich zu einem großen Unverständnis entwickeln kann.

In weiteren Übungen werden Schreib- und Lesekompetenz der Teilnehmer trainiert, wird erforscht, welche Probleme entstehen können und warum. Wie wichtig ist die Komposition eines Bildes? Welche Details kann ich weglassen?

Wie kann ich Emotionen ausdrücken und gibt es dafür (unbewußt oder bewußt) gar eine stillschweigende Einigung mit den anderen Workshop-Teilnehmern? Muss ich mein Publikum kennen, um verstanden zu werden?

Viele Ergebnisse während des Workshops sind verblüffend, verborgene Talente kommen zum Vorschein, manche Erkenntnis ist überraschend, der Bedarf an Austausch und Rückfragen ist groß.

Dominik Wendland mit Workshop-Teilnehmern © Alke Müller-Wendlandt

Eines ist offensichtlich: die Beschäftigung mit Niemanns Sprache und Symbolik – sowohl in Bild als auch in Text – inspiriert und zeigt, dass wir nicht nur als Betrachter die visuelle Sprache intuitiv beherrschen, sondern lernen können, sie selbst zu sprechen.

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