Donnerstag, 5.2.2004, 00.00 Uhr, Saal

Deutschland-Europa-Amerika

Egon Bahr im Gespräch mit Hans Werner Kilz (SZ)

Der deutsche Weg, von Kanzler Schröder in der Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten eingefordert, ist ein Begriff, der in Freunden wie Partnern ein ungutes Gefühl aufkeimen ließ. Zu sehr ist das Wort »Am deutschen Wesen soll die Welt genesen« in unheilvoller Erinnerung. Bahr bringt Klarheit in die verworrene Diskussion. Eindeutig ist: Die unselige Vergangenheit darf unsere Zukunft nicht behindern. Nach der Machtversessenheit des Dritten Reichs und der Machtvergessenheit der alten Bundesrepublik muss das vereinte Deutschland sein Gleichgewicht finden. Das fällt noch immer schwer. Zwei Generationen von Politikern haben sich daran gewöhnt, dass die großen Entscheidungen von den Großen getroffen werden, also muss die Angst vor der Souveränität besiegt werden. Auch das ist klar: Wer Eigenständigkeit ablehnt, wird zum Spielball der Interessen anderer.
Deshalb muss Deutschland ein eigenes Profil gewinnen, emanzipiert von Amerika. Dankbarkeit und Partnerschaft gestatten, in engem Zusammenwirken mit Frankreich den deutschen Weg für Europa zu verfolgen. Vor dem Hintergrund der »Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik« vom 6. – 8.2.2004 gewinnen Egon Bahrs Thesen zusätzliche Brisanz.