Sonntag, 17.11.2013, 11.00 Uhr, Bibliothek

Carola Neher: Denunziation und Verfolgung im Moskauer Exil

Vortrag von Reinhard Müller

»Wir Schauspielerinnen sind erst auf der Bühne in unserem Element - wir stolpern nur im Leben.« (Carola Neher)

Wie viele deutsche Kommunisten in der Sowjetunion, meist Emigranten aus NS-Deutschland, geriet auch die Schauspielerin Carola Neher in das Fadenkreuz der stalinistischen Geheimpolizei. Nach dem Prinzip der Kontaktschuld begann der Terrorapparat des NKWD ab 1936/37 zahlreiche Emigranten, die politisch verfemten Kreisen zugerechnet wurden, massenhaft zu verhaften.

Der Historiker Reinhard Müller konnte Carola Nehers letzten Lebensabschnitt in jahrelangen Recherchen in Moskauer Archiven rekonstruieren. Er gibt Einblick in den Kreis deutscher Emigranten in Moskau, informiert über den Großen Terror ab dem Jahre 1936 und die so genannte »deutsche Operation«, durch die zahlreiche Verhaftungen deutscher Emigranten veranlasst wurden. Die Haftzeit Carola Nehers und ihres Lebensgefährten Anatol Becker sowie das traumatische Schicksal ihres gemeinsamen Sohnes, der beide Eltern verlor und in einem Waisenhaus aufwachsen musste, werden ebenso Themen dieses Vortrags sein.

Reinhard Müller gilt als einer der namhaftesten deutschsprachigen Stalinismusforscher. Als Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung rekonstruierte er in seinen wichtigsten Arbeiten »Die Säuberung« (1991), »Menschenfalle Moskau« (2001), »Herbert Wehner – Moskau  1937« (2004) und zahlreichen Aufsätzen auf der Grundlage eingehender Archivrecherchen die Verfolgungspraxis stalinistischer Repressionsorgane sowie zahlreiche Schicksale von Opfern der sowjetischen Gewaltherrschaft.

Veranstalter: Memorial Deutschland e.V., Kulturreferat der Landeshauptstadt München