Oskar Maria Graf-Denkmal

Auch in der Gastronomie »OskarMaria« hat die Literatur ihren Platz. Der Namensgeber Oskar Maria Graf (1894-1967) steht für eine außergewöhnliche Mischung aus Lokalkolorit und Internationalität.

Die New Yorker Künstlerin Jenny Holzer hat im Auftrag der Landeshauptstadt München und des Kulturbaufonds München ein Denkmal für den eigensinnigen bayerischen Schriftsteller geschaffen. Als Standort wurde das Kaffeehaus im Literaturhaus am Salvatorplatz gewählt, das seit 2007 sogar den Namen des berühmten Hausheiligen angenommen hat: »OskarMaria«.

Jenny Holzer legte ihrer Arbeit Texte aus dem Werk Grafs zugrunde. Diese sind in die Architektur und die Nutzgegenstände des Kaffeehauses integriert, Blickfang ist eine elektronische Laufsäule, auf der eine Erzählung Grafs mitzulesen ist. Sätze von Graf erscheinen auf dem Geschirr, auf den Rückenlehnen der Lederbänke, auf den Granittischen, die die Künstlerin für die Terrasse entworfen hat, auf den Papiersets und auf den Bierdeckeln. Das Geschirr, das von Villeroy & Boch exklusiv für das Literaturhaus hergestellt wird, kann im Kaffeehaus gekauft werden. Das Denkmal wurde am 5. Juni 1997 der Öffentlichkeit übergeben.

OSKAR MARIA GRAF wurde 1894 als siebtes von acht Kindern einer Bauerntochter und eines Bäckers in Berg am Starnberger See geboren. Mit siebzehn lief er von Zuhause fort, schlug sich in München als Gelegenheitsarbeiter durch und fand Anschluss an Schwabinger Bohèmekreise. 1918/19 erlebte er die Münchner Revolution und Räterepublik. In den 20er Jahren gelang ihm mit seinem Bekenntnisbuch »Wir sind Gefangene« der literarische Durchbruch. 1933 emigrierte er nach Wien, wo er mit »Verbrennt mich!« seinen Protest gegen Nazi-Deutschland veröffentlichte.Ab 1934 lebte Graf im tschechischen Brünn und ab 1938 in New York, wo er 1967 starb. Zu Oskar Maria Grafs berühmtesten Werken gehören die im Exil entstandenen Romane »Das Leben meiner Mutter«, »Der Abgrund« und »Unruhe um einen Friedfertigen«.

JENNY HOLZER wurde 1950 in Gallipolis/Ohio geboren. Sie lebt und arbeitet in New York.Oskar Maria Graf und sie hätten sich in New York oder in der amerikanischen Provinz begegnen können. Sie: ein eigensinniges Mädchen, das sich für Kunst interessierte. Er: ein alternder, von über 30jährigem Exil gezeichneter Mann, ein besessener Schriftsteller bis zum Tod. Doch begegnet sind sie sich erst in München, 30 Jahre nach dem Tod des Dichters, als Jenny Holzer das Denkmal für das Literaturhaus München konzipierte.Die radikale Menschlichkeit von Grafs Figuren ließ Jenny Holzer über eine Form nachdenken, die der Vorstellung von einem »Denkmal« grundsätzlich widerspricht: nicht der Dichter wird abgebildet, sondern seine Worte. Die Künstlerin gab Oskar Maria Grafs Sätzen eine besondere Form: unkommentiert stehen sie im öffentlichen Raum des Kaffeehauses. Der Besucher lebt so – bewusst oder unbewusst – mit diesen Sätzen und mit dem, der sie ursprünglich schuf: Oskar Maria Graf.